Adenomyose: Oft unbekannt oder verharmlost

Letzte Aktualisierung: 07. Juli 2026Lesezeit: 5 Minuten
Endometriose kennen wir, aber über Adenomyose uteri wird weniger gesprochen. Dabei ist es eine ähnliche, oft verharmloste und immer noch zu wenig bekannte gynäkologische Erkrankung, die das Leben vieler Betroffener erheblich beeinflusst. Wir erklären euch, was Adenomyose ist, welche Symptome auftreten können und welche Möglichkeiten es gibt, die Beschwerden zu lindern.
Frau mit Schmerzen im Unterleib auf dem Sofa

Was ist Adenomyose?

Adenomyose uteri ist eine gutartige Erkrankung der Gebärmutter. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, in die Muskelschicht der Gebärmutter ein. Dieses Gewebe reagiert auf hormonelle Veränderungen während des Menstruationszyklus' und kann dadurch Schmerzen und Entzündungen und weitere Beschwerden verursachen.

Welche Arten gibt es?

Bei der Adenomyose wird in zwei Arten unterschieden:

  • Fokale Adenomyose:ein kleiner Bereich bzw. Knoten (auch Adenomyom genannt - es wird deshalb auch häufig mit einem klassischen Myom verwechselt)
  • Diffuse Adenomyose:großflächig in der Muskelschicht der Gebärmutter verteilt

Welche Ursachen hat Adenomyose?

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Fachleute vermuten, dass hormonelle Einflüsse (z. B. ein Östrogenüberschuss), genetische Faktoren, Veränderungen des Gewebes zwischen Schleimhaut und Muskelschicht sowie mechanische Belastungen der Gebärmutter (Ausschabung, Kaiserschnitt etc.) eine Rolle spielen.

Was sind typische Adenomyose-Symptome?

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausfallen. Die Symptome reichen von leicht bis stark. Wichtig ist, dass ihr anhaltende und starke Beschwerden immer ärztlich abklären lasst.

Häufige Symptome:

  • starke und verlängerte Menstruationsblutungen
  • krampfartige Unterleibsschmerzen, besonders kurz vor und während der Periode (Dysmenorrhö)
    Regelschmerzen: Dysmenorrhö ist nicht normal!
  • chronische Beckenschmerzen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Druckgefühl im Unterbauch
  • vergrößerte oder empfindliche Gebärmutter
  • Erschöpfung (Fatigue)
    Fatigue-Syndrom
  • unerfüllter Kinderwunsch

Wie wird Adenomyose dignostiziert?

Die Diagnose ist nicht immer einfach, da sich die Symptome mit anderen Erkrankungen wie Endometriose oder PMS überschneiden können. Häufig wird zunächst eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz, um die Gebärmutterstruktur sichtbar zu machen.

Zudem sollte untersucht werden, ob sich die Veränderungen ausschließlich in der Muskelschicht der Gebärmutter befinden, wie es bei Adenomyose der Fall ist, oder ob Eierstöcke, Darm und Bauchfell betroffen sind, was für Endometriose spricht. Leider kann auch beides der Fall sein. Genauso können beide Erkrankungen einzeln auftreten.

Wie viele Frauen leiden unter Adenomyose?

Da Frauen immer noch häufig Medical Gaslighting erleben, ein unzureichendes Wissen über Adenomyose besteht und Beschwerden oft als PMS, Dysmenorrhoe oder klassiches Myom fehldiagnostiziert werden, geht man von einer hohen Dunkelziffer aus. Offiziell varriieren die Schätzungen von 5 bis 70 Prozent bei Menschen mit Gebärmutter. Am häufigsten sind Personen zwischen 30 und 50 Jahren betroffen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Adenomyose uteri

Die Therapie richtet sich nach euren individuellen Beschwerden, eurem Alter und eurem Kinderwunsch. Es gibt verschiedene Ansätze, die oft kombiniert werden:

  • Hormonelle Therapie Hormonpräparate können das Wachstum des Gewebes bremsen und die Beschwerden lindern. Dazu gehören beispielsweise Gestagene/GnRH-Analoga und hormonelle Verhütungsmittel.
  • Schmerztherapie Schmerzmittel helfen, akute Beschwerden zu lindern. Sie sind oft ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, besonders bei starken Regelschmerzen.
  • Radiologische Behandlungen Radiologische Verfahren wie die Uterusarterienembolisation (UAE) reduziert durch Verödung der Gebiete die Blutversorgung. Der MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschall (MRgFUS bzw. HIFU) ermöglicht es, Herde durch Wärmebehandlung nicht-invasiv zu zerstören und dabei die Gebärmutter zu erhalten.
  • Operative Maßnahmen In schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Das reicht von minimalinvasiven Verfahren bis hin zur Entfernung der Gebärmutter, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken.
Patientin in einer Online-Beratung am Laptop

FEMNA Care: Schulungsprogramme und Beratung bei Endometriose, Zyklusbeschwerden und in den Wechseljahren

Viele Frauen sind von Beschwerden rund um Menstruation und den Zyklus betroffen wie Regelschmerzen (Dysmenorrhö) oder dem Prämenstruellen Syndrom (PMS). Andere leiden an chronischen Krankheiten wie Endometriose oder Adenomyose. Unterstützend zu eurer medizinischen Behandlung bietet euch BIG jetzt die FEMNA Schulungsprogramme per Web oder App bei Endometriose/Adenomyose, PCOS, PMS/PMDS, Dysmenorrhoe und Peri- und Postmenopause an.

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Adenomyose und Kinderwunsch

Viele Betroffene fragen sich, ob Adenomyose die Fruchtbarkeit beeinflusst. Tatsächlich kann die Erkrankung das Einnisten einer befruchteten Eizelle erschweren. Dennoch ist eine Schwangerschaft oft möglich. Wichtig ist eine frühe Diagnose und falls notwendig individuelle medizinische Behandlungen.

Tipps für mehr Lebensqualität bei Adenomyose

Neben der medizinischen Behandlung könnt ihr selbst einiges tun, um euren Alltag mit Adenomyose zu erleichtern und eure Lebensqualität zu verbessern:

  1. 1

    Ruhephasen und Stressreduktion

    Gebt eurem Körper besonders an Tagen mit stärkeren Beschwerden bewusst Zeit zur Regeneration. Entspannungstechniken wie Atemübungen, Meditation oder sanftes Yoga können helfen, Stress zu reduzieren und Schmerzempfinden positiv zu beeinflussen.
  2. 2

    Sanfte Bewegung

    Leichte bis moderate Bewegung fördert die Durchblutung und kann krampfartige Schmerzen im Unterleib verringern. Wichtig ist, dass ihr auf euren Körper hört und euch nicht überfordert, sondern eine Bewegungsform wählt, die euch guttut.
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    Wärmebehandlungen

    Wärme kann die Muskulatur lockern und Schmerzen im Beckenbereich deutlich lindern. Wärmflaschen, Heizkissen oder warme Bäder sind einfache Möglichkeiten, die ihr gezielt im Alltag einsetzen könnt.
  4. 4

    Ausgewogene Ernährung

    Eine nährstoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, gesunden Fetten und Vollkornprodukten kann entzündungshemmend wirken und euren Körper stärken. Achtet zudem darauf, ausreichend zu trinken und mögliche individuelle Unverträglichkeiten im Blick zu behalten.
    Mikrobiom: Das Ökosystem unseres Darms
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    Austausch mit anderen Betroffenen

    Gespräche mit Menschen (z. B. mithilfe von Selbsthilfegruppen und Social Media), die ähnliche Erfahrungen machen, können emotional entlasten und das Gefühl vermitteln, nicht allein zu sein. Gleichzeitig könnt ihr Tipps und neue Strategien für den Umgang mit der Erkrankung kennenlernen.

Ärztliche Zweitmeinung

Adenomyose ist eine komplexe Erkrankung, die individuell sehr unterschiedlich verläuft und erstmal diagnostiziert werden muss. Nicht jede*r frauenärztliche Praxis kennt sich damit aus oder verharmlost eure Beschwerden. Lasst euch nicht verunsichern und holt euch im Zweifelsfall eine ärztliche Zweitmeinung ein. Erkundigt euch vor der Terminvergabe, ob sich die Praxis mit Adenomyose auskennt. 

Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.