Was passiert bei einem Herzinfarkt?
Bei einem Herzinfarkt handelt es sich um die akute Form der koronaren Herzkrankheit. Dabei verstopft ein Blutgerinnsel plötzlich eines der Herzkranzgefäße. Der betroffene Teil des Herzmuskels bekommt dann keinen Sauerstoff mehr und beginnt nach kurzer Zeit abzusterben. Je länger der Verschluss besteht, desto schwerwiegender wird der dauerhafte Schaden am Herzmuskel. Deshalb gilt: Jede Minute zählt!
Langsame Ablagerung, bis es akut wird
Im Laufe der Jahre sammeln sich bei Menschen mit entsprechendem Risiko Fett, Kalk und Entzündungszellen in den Herzgefäßen an. Diese Ablagerungen heißen Plaques und sorgen für Gefäßverkalkungen. Fachleute sprechen auch von Arteriosklerose. Reißt so ein Plaque auf, weil es beispielsweise zu Stress kommt, du zu hohen Blutdruck hast oder die Gefäßwand entzündet ist, startet der Körper einen Reparaturprozess: Er aktiviert Blutplättchen und Gerinnungsfaktoren, um die Gefäßverletzung zu reparieren. Dieses Gerinnsel (Thrombus) verstopft dann das ohnehin schon enge Gefäß plötzlich vollständig oder fast vollständig. Die Folge: Dein Herzmuskel wird nicht mehr richtig durchblutet, es fehlt an Sauerstoff und Nährstoffen – es kommt zum Herzinfarkt.
Durch die unterbrochene Pumpleistung fällt der Blutdruck häufig deutlich ab und der Puls kann unregelmäßig werden. Typische Folge ist ein Kreislaufversagen bis hin zum Herzstillstand.
In Deutschland werden pro Jahr rund 190 000 Menschen wegen eines akuten Herzinfarkts stationär behandelt, etwa 44 000 versterben daran. 2023 lag der akute Myokardinfarkt (Herzinfarkt) unter den vier häufigsten Todesursachen. Männer sind häufiger betroffen.
Wie erkenne ich einen Herzinfarkt?
Die Anzeichen für einen Herzinfarkt können sehr unterschiedlich sein. Typische Symptome sind drückende oder brennende Brustschmerzen, die länger als 5 Minuten andauern und sich auch in Ruhe nicht bessern. Viele Betroffene empfinden auch ein Enge- oder Druckgefühl, oft verbunden mit Angst oder Unruhe. Die Schmerzen sitzen meistens hinter dem Brustbein und können in Arme, Kiefer, oder Schulterblätter ausstrahlen. Seltener auch in den Rücken oder Oberbauch. Häufige Begleitsymptome sind: Atemnot, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Erbrechen und starkes Schwitzen.
Nicht alle erleben starke Schmerzen, manchmal steht auch ein unspezifisches Unwohlsein im Vordergrund. Der Puls kann unregelmäßig oder beschleunigt sein, ein Zeichen, dass das Herz aus dem Takt gerät.
Unterschiede zwischen Frauen und Männern
Bei Frauen werden Infarkte oft später erkannt, weil die Symptome unspezifischer sein können. Brustschmerz ist zwar auch bei Frauen das häufigste Symptom, auch wenn es etwas seltener auftritt als bei Männern. Bei Frauen treten allerdings auch weniger „typische" Symptome häufiger auf als bei Männern, etwa Schulterschmerz, Herzklopfen, Übelkeit, Erbrechen, Armschmerz, Atemnot und Erschöpfung. All das oft in Kombination mit Brustschmerz und nur selten isoliert.
Was tun bei einem Herzinfarkt?
Ein Herzinfarkt ist immer ein medizinischer Notfall. Deshalb: Zögere nicht und rufe bei Verdacht sofort die 112! Der betroffenen Person kann bis zum Eintreffen des Notarztteams wie folgt geholfen werden:
- Person bequem lagern, Oberkörper hochstellen.
- Enge Kleidung öffnen (Hals, Brust, Gürtel).
- Fenster öffnen für frische Luft.
- Ruhig bleiben und beruhigend mit der Person sprechen.
- Person nicht allein lassen. Bei Bewusstlosigkeit oder fehlendem Puls sofort Reanimation beginnen.
- Keine Hausmittel oder Schmerztabletten geben – sofort 112 rufen.
Wie wird die Diagnose Herzinfarkt gestellt?
Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, ist schnelles Handeln wichtig. Bis zum Notruf sollte so wenig Zeit wie möglich verstreichen. Je eher die Behandlung des Infarkts eingeleitet wird, desto höher sind die Chancen, dass der Herzmuskel gerettet werden kann und die betroffene Person überlebt.
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes oder in der Notaufnahme läuft die Diagnostik sehr strukturiert ab. Das Team erkundigt sich nach den Beschwerden und misst Puls, Blutdruck und Sauerstoffgehalt. Gleichzeitig wird ein Elektrokardiogramm (12-Kanal-EKG) geschrieben. Die Herzstromkurve zeigt, ob Teile des Herzens akut schlecht durchblutet sind. Es sollte möglichst schnell und spätestens innerhalb von zehn Minuten nach Aufnahme vorliegen und bei Bedarf wiederholt werden.
Zusätzlich werden Blutproben genommen: Vor allem das Eiweiß Troponin gibt Auskunft darüber, ob Herzmuskelzellen geschädigt wurden. Bei Unklarheiten oder zur weiteren Beurteilung folgen bildgebende Untersuchungen wie Herzultraschall (Echokardiografie) oder eine Computertomographie (CT). Häufig ist eine Herzkatheteruntersuchung notwendig, um das verstopfte Gefäß direkt zu sehen und wieder zu öffnen. Während der Untersuchungen und Eingriffe werden Herzrhythmus und Kreislauf ständig überwacht, damit schnell und sicher gehandelt werden kann.
Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?
Ist der Herzinfarkt bestätigt oder stark verdächtig, beginnen die Fachleute sofort mit der Behandlung. Ein Krankenhaus, das rund um die Uhr ein Herzkatheterlabor mit Fachpersonal betreibt, bietet die besten Behandlungsmöglichkeiten. Ziel ist, das verschlossene Gefäß schnell wieder zu öffnen und den Schaden am Herzmuskel zu begrenzen. Bereits nach 20 bis 30 Minuten beginnen Herzmuskelzeiten abzusterben.
Die wichtigsten Schritte der Akutbehandlung im Krankenhaus sind:
- Medikamente:Schon im Rettungswagen oder bei Aufnahme im Krankenhaus erhalten Betroffene Medikamente, die die Bildung von Blutgerinnseln hemmen (zum Beispiel Acetylsalicylsäure) und das Herz entlasten. Diese Präparate verringern das Risiko für weitere Verschlüsse und bereiten die nächste Intervention vor.
- Herzkatheter und Stent:In den meisten Fällen wird das verschlossene Herzkranzgefäß mit einem Herzkatheter untersucht. Über einen dünnen Schlauch, der über die Leiste oder das Handgelenk eingeführt wird, kann das Gefäß mit einem Ballon geweitet und ein Röhrchen aus Drahtgeflecht, ein sogenannter Stent, eingesetzt werden. So wird der Blutfluss rasch wiederhergestellt.
- Bypass Operation:Bei sehr komplexen Gefäßverengungen oder wenn eine Katheterbehandlung nicht möglich ist, ist eine Bypass Operation eine Option. Dafür wird ein Gefäß, meistens aus Bein oder Brustkorb, entnommen und an der blockierten Stelle als Umgehungsgefäß eingesetzt.
Nachsorge und langfristige Therapie
Nach dem akuten Eingriff beginnt die Nachsorge: mit Medikamenten, Reha und Lebensstiländerungen, die dein Herz schützen, das Rückfallrisiko senken und die Chance auf ein gutes Leben nach dem Infarkt deutlich verbessern.
Blutverdünner und Gerinnungshemmer
Oft werden Tabletten verschrieben, die das Blut weniger stark verklumpen lassen, damit sich das Gefäß nicht erneut verschließt.Cholesterinsenker (Statine)
Diese Medikamente senken das LDL Cholesterin und schützen die Gefäße dauerhaft.Blutdruckmedikamente
Ein gut eingestellter Blutdruck reduziert das Risiko für einen neuen Infarkt.
Je nach Befund können auch Betablocker, ACE‑Hemmer oder andere Wirkstoffe verschrieben werden. Im Anschluss an einen Herzinfarkt sind Rehabilitation, Bewegung, gesunde Ernährung und Rauchstopp wichtige Bausteine der Nachsorge – diese spielen auch bei der Vorsorge eine wichtige Rolle.
Wie kannst du einem Herzinfarkt vorbeugen?
Gute Vorsorge beginnt nicht erst beim Arztbesuch. Viele kleine Entscheidungen in deinem Alltag tragen dazu bei, dass es weniger zu Gefäßschädigungen – und Ablagerungen – kommt und du das Herzinfarktrisiko verringerst. Ein gesunder und ausgewogener Lebensstil ist das A und O für die Herzgesundheit. Folgende Punkte kannst du aktiv beeinflussen:
Regelmäßige Bewegung
Körperliche Aktivität ist ein wichtiger Schutzfaktor für dein Herz. Bereits 30 Minuten zügiges Gehen am Tag reduzieren das Risiko. Auch kleine Alltagsbewegungen wie Treppen steigen, Besorgungen mit dem Rad, statt mit dem Auto zu erledigen oder ein Spaziergang in der Mittagspause wirken sich positiv aus. Auch nach einem Herzinfarkt gilt: Bewegung hat eine gesundheitsfördernde Wirkung.Ausgewogen ernähren
Empfehlenswert ist eine Ernährung nach dem Vorbild der Mittelmeerküche mit viel frischem Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und pflanzlichen Ölen. Tierische Produkte dürfen in Maßen dazugehören. Weniger Salz, Zucker und tierische Fette zu essen hilft dir, deinen Blutdruck und Cholesterin-Wert zu senken. Achte darauf, regelmäßig und bewusst zu essen. Auch kleine Veränderungen machen einen Unterschied. Schon wer häufiger frisch kocht und Fertiggerichte meidet, tut seinem Herzen täglich etwas Gutes.
Ratgeber zu herzgesunder mediterraner ErnähungMit dem Rauchen aufhören
Schon wenige Zigaretten am Tag schädigen Herz und Gefäße. Die gute Nachricht: Wer aufhört, spürt schnell Verbesserungen. Bereits nach einem Jahr halbiert sich das Risiko für Herz Kreislauf Erkrankungen. Nach 15 Jahren gleicht es dem von Nichtrauchenden. Auch Entzugserscheinungen klingen meist nach kurzer Zeit ab, während Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit deutlich steigen.Tipps für den RauchstoppStress vermeiden und auf Erholung achten
Dauerhafter Stress kann dein Herz und die Gefäße belasten. Stress im Alltag, fehlende Pausen oder Schlafmangel lassen den Blutdruck steigen und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Regelmäßige Auszeiten sind daher kein Luxus, sondern aktiver Herzschutz. Egal ob Spazierengehen, Musik hören, Yoga, Meditation oder einfach mal tief durchatmen. Auch erholsamer Schlaf ist wichtig: Achte auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und dass du pro Nacht sechs bis acht Stunden schläfst.BIG-Angebot Stressfrei werden mit einem PräventionskursBlutdruck- und Blutfettwerte im Blick behalten
Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkte. Achte deshalb darauf, deine Werte regelmäßig kontrollieren zu lassen. Ein gut eingestellter Blutdruck (unter 130/80 mmHg) schützt Herz und Gefäße.
Häufige Fragen zum Herzinfarkt
Quellen
- AWMF Online:Patient:inneninformation zur LL “Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention"
- Deutsche Herzstiftung:36. Deutscher Herzbericht Update 2025
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) :Koronare Herzkrankheit (KHK)
- Deutsche Herzstiftung:Koronare Herzkrankheit und Herzschwäche – was ist bei Frauen anders?
Medizinisch geprüft von: Vita Health Media