Was bedeutet ASMR und woher kommt es?
ASMR steht für „Autonomous Sensory Meridian Response“ und steht für ein besonders entspannendes Sinneserlebnis, das bei manchen Menschen durch bestimmte Reize ausgelöst wird. Der Begriff entstand Anfang der 2010er Jahre über Social-Media-Plattformen. Menschen tauschten dort ihre Erfahrungen aus und stellten fest, dass sie auf ähnliche Reize mit vergleichbaren Empfindungen reagierten und entwickelten mit der Zeit eigene ASMR-Videos. Inzwischen beschäftigt sich auch die Forschung mit dem Thema und untersucht, welche psychologischen und körperlichen Prozesse dahinterstecken und ob es auch bei tieferliegenden psychischen Beschwerden hilft.
Typische Zeichen, dass ASMR bei euch funktioniert:
Tingles: sanftes Kribbeln/Erregung (beginnt häufig am Kopf und wandert dann über Nacken und Schultern) Gänsehaut Entspannung/meditativer Zustand Empfindung positiver Gefühle/Glücksgefühle
Was soll Autonomous Sensory Meridian Response genau bewirken?
Viele Menschen nutzen ASMR bewusst zur Entspannung. Besonders beliebt sind Autonomous Sensory Meridian Response Videos am Abend oder nach stressigen Arbeitstagen und um Ängste zu mindern. Menschen, bei denen ASMR wirkt, berichten häufig davon, dass sie sich ruhiger fühlen (Herzfrequenz verlangsamt sich), leichter abschalten können und schneller einschlafen.
Auch wissenschaftlich wird untersucht, ob ASMR einen positiven Einfluss auf unsere psychische Gesundheit hat. Mehrere Studien zeigen bereits, dass Personen, die auf Autonomous Sensory Meridian Response ansprechen, nach dem Anschauen und Zuhören entsprechender Inhalte häufig eine bessere Stimmung und weniger innere Anspannung erleben. Besonders interessant sind Untersuchungen zu Angstgefühlen und depressiven Symptomen. So zeigte eine Studie aus dem Jahr 2024, dass die Kombination aus Atementspannung und ASMR bei Personen mit leichter Depression in Verbindung mit Breathwork zu einer stärkeren Verbesserung der Stimmung und depressiven Symptome führte¹. Weitere Untersuchungen weisen darauf hin, dass ASMR bei empfänglichen Personen kurzfristig Ängste (Neurotizismus) reduzieren kann und mit positiven Veränderungen des emotionalen Erlebens verbunden ist².
Quellen
- ¹Psychiatry Investigation:https://doi.org/10.30773/pi.2023.0438
- ²PLOS:https://doi.org/10.1371/journal.pone.0262668
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Was löst ASMR aus?
Die Auslöser unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und doch gibt es einige Reize bzw. Trigger, die besonders häufig genannt werden. Was sie immer gemeinsam haben: Sie vermitteln Aufmerksamkeit, Fürsorge und Ruhe.
Dazu gehören unter anderem:
leises Sprechen oder Flüstern ruhige und freundliche Stimmen langsame Bewegungen Bürsten, Kämmen oder Haareföhnen sanfte und eintönige Geräusche wie Klopfen und Rascheln Beobachtungen von sanften und liebevollen Aktivitäten (z. B. wie jemand ein Tier krault) langsame und ruhige Erklär-Videos (Tutorials) z. B. Kochen, Backen, Handarbeit, Handwerk usw.
Was sind ASMR-Videos und findet man sie?
ASMR-Videos sind speziell darauf ausgelegt, typische Reize auszulösen. Ihr findet sie zum Beispiel auf YouTube, Instagram oder TikTok und sie reichen von einfachen Geräuschaufnahmen bis hin zu aufwendig produzierten Hörspielen mit professioneller Tontechnik, um selbst kleinste Geräusche und Aktivitäten detailliert aufzunehmen. Manche Videos konzentrieren sich ausschließlich auf Klopfgeräusche oder Rascheln, während andere persönliche Situationen wie einen Friseurbesuch, eine Hautpflegeberatung oder eine entspannte Unterhaltung simulieren. Generell können aber auch gewöhnliche Videos mit beruhigenden Inhalten auslösen. Tragt am besten Kopfhörer, um ASMR so intensiv wie möglich wahrnehmen zu können.
Warum ist ASMR gerade so beliebt?
- In einer Zeit, in der viele Menschen unter Stress, Informationsüberflutung, FOMO und ständiger Erreichbarkeit leiden, wächst das Bedürfnis nach einfachen Möglichkeiten zur Entspannung.
- ASMR-Inhalte sind durch Social-Media jederzeit verfügbar, kostenlos und lassen sich problemlos in den Alltag integrieren.
- Auch die wissenschaftliche Aufmerksamkeit trägt zum Erfolg bei. Während ASMR früher häufig belächelt wurde, liefern immer mehr Untersuchungen Hinweise darauf, dass der Trend tiefgreifende psychologische und körperliche Effekte haben kann.
Was hat ASMR mit Hochsensibilität und den BIG Five Persönlichkeitstypen zu tun?
Nicht jede Person reagiert auf Autonomous Sensory Meridian Response. Manche werden davon sogar ungeduldig, sind genervt oder reagieren ablehnend bis aggressiv. Personen, bei denen ASMR wirkt, berichten dagegen häufig, dass sie diese Empfindungen bereits seit ihrer Kindheit kennen und häufig eine erhöhte sensorische Sensibilität (Hochsensibilität) aufweisen. Sie reagieren oft stärker auf feine Reize aus ihrer Umgebung und nehmen Details intensiver wahr, was sich auch auf ihr Körperinneres auswirkt (exterozeptive und interozeptive Sensitivität). Expert*innen vermuten daher, dass Hochsensibilität und bestimmte Ausprägungen der Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle dabei spielen könnten, warum manche Menschen für ASMR empfänglich sind und andere nicht.
ASMR ersetzt keine medizinische oder psychische Therapie
ASMR ist somit weit mehr als ein schnell verpuffender Internettrend, sondern lässt manche von uns besser entspannen und gleichzeitig tiefer in unsere Persönlichkeit eintauchen, als wir denken. Wichtig ist allerdings: Autonomous Sensory Meridian Respons ersetzt ähnlich wie MBSR oder Breathwork weder psychologische noch medizinische Behandlungen, sondern kann laut bisheriger Studienlage als ergänzende Methode zur Entspannung und Selbstregulation genutzt werden. Die BIG unterstützt eure seelische Gesundheit mit verschiedenen On- und Offline-Therapien.
Quelle
- Ruhr-Universität Bochum:Zum Weiterlesen
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