Bis zu 56.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Diese Zahlen sind besorgniserregend, da sie deutlich höher sind als bisher angenommen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung potenziell lebensbedrohlich ist. Bei schwerem Verlauf sterben bis zu 30 Prozent der Betroffenen an Organversagen. Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist mit einer Inzidenz von 0,23 Prozent dagegen zwar deutlich seltener – allerdings wird seit Jahren eine steigende Tendenz beobachtet. Da diese Form zu einem fortschreitenden Verlust der Bauchspeicheldrüsenfunktion und diversen Folgeerkrankungen führen kann, ist das nicht minder beunruhigend. Bei beiden Formen kann übermäßiger Alkoholkonsum eine bedeutende Rolle spielen.
Welche Symptome verursacht eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?
Wenn du plötzlich sehr starke Schmerzen im Oberbauch verspürst, die womöglich noch gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen und von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind, kann dies auf eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse hindeuten. Besonders wenn noch Fieber, ein aufgeblähter Bauch oder gar Kreislaufprobleme hinzukommen.
Ist das kleine aber wichtige Organ chronisch entzündet, sind Bauchschmerzen das zentrale Symptom. Insbesondere, wenn du sie nach Mahlzeiten verstärkt spürst. Die Oberbauchschmerzen können unterschiedlich stark auftreten und mehrere Stunden bis zu einigen Tagen peinigen. Neben essensbedingten Bauchschmerzen deutet auch voluminöser, fettiger Stuhl auf eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung hin.
Wie entsteht eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?
Die häufigsten Ursachen einer akuten Entzündung des Organs sind Gallensteine und starker Alkoholkonsum. Auch einige Medikamente oder stark erhöhte Blutfettwerte können die Entzündung auslösen. Wenn Alkoholkonsum die Ursache ist, kommt es häufiger zu Rückfällen und chronischen Verläufen. Langjähriger, übermäßiger Alkoholkonsum ist dann auch bei der Hauptauslöser der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Rauchen, genetische Veranlagung und manchmal auch Medikamente erhöhen das Risiko zusätzlich. Männer trifft es übrigens häufiger als Frauen. Die meisten Betroffenen sind älter als 45 Jahre.
Bauchspeicheldrüsenentzündung – wann zum Arzt, wann ins Krankenhaus?
Die plötzlichen Schmerzen einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sind so stark, dass die meisten Betroffenen sofort den Notruf wählen oder einen Arzt aufsuchen. Ein Bauchgefühl, das nicht trügt: In der Regel werden sie noch am selben Tag ins Krankenhaus eingewiesen. Bei leichten Formen ist das nächstgelegene Krankenhaus das Ziel, bei schweren Verläufen kann auch eine spezialisierte Klinik angeraten sein. Bemerkst du hingegen über längere Zeit einen veränderten Stuhl in der Kombination mit Bauchschmerzen, solltest du in deiner Arztpraxis vorstellig werden.
Wie wird eine Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostiziert?
Bei Verdacht auf eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung wird zunächst dein Bauch abgetastet und nach deinem Alkoholkonsum oder benötigten Medikamenten gefragt. Meist wird auch Blut abgenommen und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Im Ultraschall lässt sich in der Regel gut erkennen, ob Gallensteine zu der Entzündung geführt haben oder ob lediglich die Bauchspeicheldrüse verändert ist. Bei Verdacht auf Gallensteine als Auslöser wird meist eine Endoskopie mit Kontrastmittel durchgeführt. Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf Komplikationen können auch weiterer Untersuchungen wie CT oder MRT zum Einsatz kommen.
Weist deine Krankengeschichte bereits Schübe akuter Entzündungen und starken Alkoholkonsum auf, geben Endoskopie, Ultraschall von innen oder bildgebende Verfahren nur endgültige Gewissheit. Und ein gutes Bild vom Ausmaß der Entzündung. Die verbleibende Funktion deiner Bauchspeicheldrüse wird dann durch Blut- und Stuhltests sowie spezielle Funktionstests überprüft.
Bauchspeicheldrüsenentzündung: Welcher Blutwert ist wichtig?
In deiner Blutprobe wird unter anderem der Gehalt des Verdauungsenzyms Lipase bestimmt. Übersteigt dein Wert das Dreifache des oberen Normwertes ist die Diagnose Bauchspeicheldrüsenentzündung in Kombination mit typischen Oberbauchschmerzen gesichert. In vielen Laboren liegt die obere Referenzgrenze (Upper Limit of Normal, ULN) bei 60 U/L. Warum die Lipase der bevorzugte Laborwert ist? Er bleibt länger erhöht als der des Enzyms Amylase. Diese zwar auch erhöht sein, was aber auch an anderen Erkrankungen liegen kann. Ein erhöhtes (> 150 mg/L ab 24–48 Stunden) CRP (Akute-Phase-Protein) hilft, den Schweregrad deiner Entzündung einzuschätzen.
Wie wird eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung behandelt?
Du fragst dich, was bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung hilft? Die Antwort lautet: viel Flüssigkeit, und zwar so schnell wie möglich. Über einen Tropf bekommst du deswegen im Krankenhaus eine spezielle Elektrolytlösung, damit die Bauchspeicheldrüse und andere wichtige Organe weiterhin gut durchblutet werden. Denn vor allem eine akute Entzündung der Drüse entzieht dem Körper viel Wasser. Um Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen zu lindern, bekommst du zudem Medikamente.
Sind Gallensteine die Ursache deiner Pein, werden sie entfernt. Die Mehrheit der Patienten mit milden akuten Verläufen kann das Krankenhaus nach gut einer Woche geheilt wieder verlassen. Sollten die Beschwerden andauern, wirst du womöglich künstlich ernährt, um deinen Körper mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen.
Schmerzmittel & Alkohol- und Nikotinverzicht
Dein Arzt oder deine Ärztin wird dir Medikamente verordnen, um die Schmerzen zu lindern: herkömmliche Schmerzmittel, bei Bedarf aber auch stärkere Medikamente bis hin zu Opioiden. Verzichte auf Alkohol und Nikotin, denn beides reizt die Bauchspeicheldrüse massiv und beschleunigt den Krankheitsverlauf. Vielleicht hilft dir zu wissen: Der Alkoholverzicht kann Schmerzen lindern und – wie auch ein Rauchstopp – das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. Wenn du es schaffst, mit Rauchen aufzuhören, reduzierst du zudem dein Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs.Ratgeber: So gelingt der RauchstoppErnährungsumstellung
Fünf bis sechs kleine, über den Tag verteilte fettarme Mahlzeiten, vermeiden Spitzenbelastungen des geschädigten Organs und können deine Schmerzen verringern. Zu jeder Mahlzeit müssen die fehlenden Verdauungsenzyme in Tabletten- oder Kapselform eingenommen werden, um die Bauchspeicheldrüse zu entlasten.Tipps für eine gesunde Ernährung von Ernährungsdoc Dr. RiedlEingriffe & OPs
Je nach Krankheitsverlauf können endoskopische oder operative Eingriffe notwendig sein. Beispielsweise wenn Gänge verstopft sind und Verdauungssäfte nicht mehr fließen können, aber auch wenn die Schmerzen trotz Lebensstiländerungen und Medikamenten unerträglich bleiben. Achtung: Unbehandelt kann eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung zu Diabetes führen oder die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigen.
Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung – was tun?
Bei dieser Form wirst du deinen Lebensstil langfristig ändern müssen sowie zusätzlich Medikamente nehmen, um die Schmerzen zu lindern und einen fortschreitenden Funktionsverlust aufzuhalten. Denn eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist in der Regel nicht heilbar. Das Problem: In akuten Entzündungsphasen zersetzen die in der Drüse gebildeten Verdauungsenzyme das Organ. Einfaches Bindegewebe ersetzt dann das Gewebe der Bauchspeicheldrüse. Die Folge ist deren fortschreitender Funktionsverlust, auch Pankreasinsuffizienz genannt.
Kann man einer Bauchspeicheldrüsenentzündung vorbeugen?
Du ahnst es schon: Keinen Alkohol zu trinken oder den Konsum zu minimieren, ist die beste Vorbeugungsmaßnahme gegen eine alkoholbedingte Bauchspeicheldrüsenentzündung. Mit einer ausgewogenen Ernährung tust du deiner Bauchspeicheldrüse darüber hinaus Gutes. Genauso wie mit ein paar Kilos weniger auf der Waage bei Übergewicht.
Häufige Fragen zu Bauchspeicheldrüsenentzündung
Quellen
- gesund.bund.de:Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs:Akute Pankreatitis
- The American Journal of Gastroenterology:American College of Gastroenterology Guideline: Management of Acute Pancreatitis
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