Frühgeburten – Ursachen, Risiken und vorbeugende Maßnahmen

Letzte Aktualisierung: 30. Januar 2026Lesezeit: 8 Minuten
Frühgeburten können sowohl für das Kind als auch für die Mutter mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Etwa acht Prozent aller Neugeborenen kommen laut einer Statistik zu früh – also vor der 37. SSW – zur Welt. Nicht alle, aber einige Risikofaktoren lassen sich erkennen und gezielt beeinflussen. Lest hier, wie ihr aktiv einer Frühgeburt vorbeugen könnt, welche Ursachen besonders häufig sind, wo die Grenzen sind und welche Folgen sie haben kann.

Inhalt

Was gilt als Frühgeburt?

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Baby vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren wird. Abhängig vom Zeitpunkt unterscheidet man:

  • Späte Frühgeburt:zwischen 34. und 37. SSW
  • Mäßige Frühgeburt:zwischen 32. und 34. SSW
  • Extreme Frühgeburt:vor der 32. SSW ("Extremfrühchen")

Je früher das Kind zur Welt kommt, desto größer ist das Risiko für gesundheitliche Komplikationen, insbesondere für Atemprobleme, Infektionen oder Entwicklungsverzögerungen.

Die häufigsten Ursachen für Frühgeburten

Frühgeburten entstehen meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Die folgenden Ursachen gelten als die häufigsten:

Infektionen

Unentdeckte oder unbehandelte Infektionen der Schwangeren – insbesondere im Genital- oder Harnwegsbereich wie Candidose oder bakterielle Vaginose – können Entzündungsprozesse auslösen, die vorzeitige Wehen begünstigen. 

Mehrlingsschwangerschaften

Durch die Zunahme künstlicher Befruchtungen nehmen Mehrlingsgeburten zu. Schwangerschaften mit Zwillingen oder Drillingen führen häufiger zu einer Überdehnung der Gebärmutter, was das Risiko einer vorzeitigen Geburt erhöht. In Deutschland gab es im Jahr 2024 laut Statista rund 10.435 Mehrlingsgeburten (davon etwa 10.275 Zwillinge). 

Tabak, Alkohol und Drogenkonsum

Schädliche Substanzen stören die Durchblutung der Plazenta und beeinflussen das Wachstum des Babys negativ. Eine Studie zeigt, dass bei 15 Zigaretten am Tag das Risiko einer Frühgeburt um 58 Prozent steigt*. Babys von Raucherinnen wiegen bei der Geburt durchschnittlich 200 bis 300 Gramm weniger als Kinder von Nichtraucherinnen. Als Frühchen wiegen diese Kinder dann oft weniger als 2.500 Gramm. Meist trinken sie auch an der Brust schlechter, nehmen schwerer an Gewicht zu und können ihre Körperwärme schlechter regulieren. Mediziner*innen betonen, dass das Reduzieren des Rauchens nicht reicht, sondern dass ein kompletter Verzicht notwendig ist. Um sich selbst und dem Kind den Entzugsstress zu ersparen, sollten Frauen daher im Optimalfall vor einer Schwangerschaft mit dem Rauchen aufhören. 

Konsumiert die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol, kann das Kind das fetale Alkoholsyndrom entwickeln. Dass Drogenkonsum für Mutter und Ungeborenes in hohem Maße schädlich bis lebensbedrohlich sind, versteht sich von selbst. 

Hinzu kommt die Vielzahl möglicher Folgeschäden. Fehlbildungen, körperliche und geistige Behinderungen, geringere Intelligenz, Allergien, Asthma und möglicherweise auch ADHS stehen in Verbindung mit Genuss- und Suchtmitteln.

Quelle

  1. *Quelle: PubMed/Thieme Verlag: Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie:
    The shortening of the duration of pregnancy due to smoking and associated costs for perinatal health care in Germany

Untergewicht oder Mangelernährung

Ein zu niedriges Körpergewicht oder ein Mangel an wichtigen Nährstoffen bei der Mutter kann den Schwangerschaftsverlauf beeinträchtigen. Mehr Infos zur Pregorexie (Magersucht in der Schwangerschaft).

Weitere häufige Ursachen

  • Zervixinsuffizienz (Schwäche des Gebärmutterhalses) Ein zu kurzer oder instabiler Gebärmutterhals kann das Austragen der Schwangerschaft erschweren.
  • Chronische Erkrankungen Bluthochdruck (Präeklampsie), Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenstörungen können die Schwangerschaft belasten und Frühgeburten begünstigen.
  • Stress und psychische Belastung Langanhaltender Stress, Ängste oder familiäre Probleme können hormonelle Veränderungen hervorrufen, die zu Wehen führen.
  • Frühere Frühgeburten Wer bereits eine Frühgeburt erlebt hat, trägt ein erhöhtes Risiko für eine erneute vorzeitige Entbindung.
  • Alter der Mutter Da werdende Mütter im Durchschnitt immer älter sind, kommt es häufiger zu Frühgeburten.
  • Abstand zwischen den Schwangerschaften Liegt der Abstand zwischen einer Geburt und der nächsten Schwangerschaft unter sechs Monaten, steigt das Risiko für eine Frühgeburt.
  • Übergewicht Man vermutet, dass durch Übergewicht der Druck auf den Gebärmutterhals zunimmt.
Schwangere Frau liegt auf einem Bett

Spätgestose: Welche Symptome deuten auf eine Präeklampsie hin?

Eine Präeklampsie gehört zu den Spätgestosen und kann nach der 20. SSW und auch noch kurz nach der Geburt auftreten. Geläufig ist die Erkrankung immer noch unter der Bezeichnung “Schwangerschaftsvergiftung”, weil man in der Vergangenheit davon ausgegangen ist, dass der weibliche Körper aufgrund der Schwangerschaft unter einer präeklamptischen Toxämie (oder Toxikose) leide.

Alle Infos zur Präeklampsie

So könnt ihr einer Frühgeburt vorbeugen

  1. 1

    Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

    Die Vorsorgetermine bei euren Frauenärzt*innen sind entscheidend, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Hierbei werden unter anderem Blutdruck, Gebärmutterhalslänge, Herzschlag und Entwicklung eures Babys und euer allgemeines Wohlbefinden überprüft.
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    Ausgewogene Ernährung

    Eine nährstoffreiche Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Eisen, Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen stärkt sowohl Mutter als auch Kind. Von Diäten ist dagegen abzuraten. Besprecht zudem am besten vor einer geplanten Schwangerschaft oder direkt zu Beginn, welche Nährstoffe ihr eurem Körper für eure und die Gesundheit eures ungeborenen Kindes über Nahrungsergänzungsmittel zuführen müsst.
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    Stress aktiv reduzieren

    Stress lässt sich nicht immer vermeiden. Aber speziell bei anhaltendem Stress ist es wichtig, Körper und Psyche mehr Auszeiten als sonst zu ermöglichen. Beispielsweise durch Achtsamkeit, Meditation, Schwangerschaftsyoga oder kleine aber regelmäßige Spaziergänge in der Natur bzw. Bewegungseinheiten. Das gilt natürlich nicht nur für die Schwangerschaft, denn chronischer Stress birgt immer gesundheitliche Risiken.
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    Auf körperliche Warnsignale achten

    Rücken- oder Unterleibsschmerzen, ständiges Erbrechen (Hyperemesis gravidarum), Druckgefühl oder Ausflussveränderungen sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
    Hyperemesis gravidarum
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    Ausreichend Ruhe und Schlaf

    Regelmäßige Pausen und ausreichend Schlaf und Ruhe unterstützen den Körper in dieser intensiven Phase. Mit Ruhe ist nicht unbedingt dauerhafte Bettruhe gemeint, denn laut Expert*innen sei nicht belegt, dass die Schwangere durch ständiges Liegen eine Frühgeburt verhindern kann. Was dagegen belegt ist: Dass durch unentwegtes Liegen das Thromboserisiko steigt.
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    Auf Genuss- und Suchtmittel verzichten

    Rauchen, Alkohol und Drogen sind klare Risikofaktoren und sollten konsequent gemieden und Koffein reduziert werden.
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Neben den regulären Vorsorgeuntersuchungen bietet euch die BIG mit ihrem Vorsorgeprogramm Hallo Baby inklusive Frühgeburtenscreening und einem zusätzlichen Schwangerschaftsbudget von 150 Euro für Antikörper-Tests und Medikamente, die über die gesetzlichen Leistungen hinausgehen, noch mehr Sicherheit, um Schwangerschaftskomplikationen und einer Frühgeburt so gut wie möglich vorzubeugen. Bei Risikoschwangerschaften erfolgen natürlich automatisch noch engmaschigere Untersuchungen.

Welche Folgen kann eine Frühgeburt haben?

Dank moderner Neonatologie überleben in Deutschland heute die meisten sehr kleinen Frühgeborenen und meistern die frühe Geburt ohne schwere Komplikationen. Die zentral veröffentlichten Daten für Kinder <1500 g zeigen in vielen Perinatalzentren Überlebensraten ohne schwere Erkrankungen im Bereich von etwa 90 Prozent (bundesweiter Mittelwert ist regional unterschiedlich)*, besonders nach der 30.–32. SSW.

Dennoch können speziell bei Frühchen mit einem extrem bis sehr extrem niedrigem Geburtsgewicht folgende Spätfolgen auftreten:

  • Neurologische Probleme:Entwicklungsverzögerungen, feinmotorische Störungen oder selten Cerebralparese.
  • Lern- und Aufmerksamkeitsprobleme:Leichte Konzentrations- oder Lernschwierigkeiten im Schulalter.
  • Atemwegserkrankungen:Häufigere Atemwegsinfekte oder Asthma in den ersten Jahren, meist rückläufig bis zum Schulalter.
  • Seh- und Hörstörungen:Frühzeitige Kontrollen sind wichtig, Komplikationen aber dank Screening selten.
  • Psychosoziale Entwicklung:Teilweise erhöhte Ängstlichkeit oder Anpassungsprobleme, die sich meist ausgleichen.

Meist lassen sich die Beschwerden und Probleme durch eine gute medizinische und elterliche Betreuung bis etwa zum achten Lebensjahr wieder ausgleichen. Voraussetzung dafür ist aber, dass Eltern zum Beispiel alle Kindervorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) wahrnehmen und, falls nötig, auch im restlichen Leben ihren Kleinen mehr Unterstützung, Geduld, liebevolle Begleitung und Förderung ermöglichen. 

Wann sofort ärztliche Hilfe nötig ist

Treten in der Schwangerschaft Symptome wie regelmäßige Kontraktionen, Blutungen oder Flüssigkeitsabgang auf, sollte umgehend eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Jede Stunde kann entscheidend sein, um eine drohende Frühgeburt zu verhindern oder hinauszuzögern.

Frühgeburt oft nicht vermeidbar

Ärzt*innen betonen, dass nur etwa ein Drittel der Frühgeburten durch Prävention verhindert werden kann. Habt ihr beispielsweise das HELLP-Syndrom, kann die Geburt nicht hinausgezögert werden und erfolgt dann per Kaiserschnitt. Bei der Mehrheit der Fälle gilt es daher, die Babys und euch so schnell wie möglich und individuell zu versorgen, um nachgeburtliche Komplikationen und gesundheitliche Risiken zu minimieren. Neben der rein medizinischen Versorgung sind dann Känguruhen, Musiktherapie auf Frühchenstationen und Muttermilchbanken Gold wert.

Wie verändert sich der Mutterschutz bei einer Frühgeburt?

Kommt ein Baby zu früh auf die Welt, verlängert sich der gesetzliche Mutterschutz automatisch. Nach dem Mutterschutzgesetz (§ 3 Abs. 2 MuSchG) haben Mütter von Frühgeborenen Anspruch auf insgesamt 18 Wochen Mutterschutz – also 12 Wochen nach der Geburt statt der üblichen 8.

Wird das Baby länger stationär behandelt, kann die Mutter den nicht genommenen Mutterschutz vor der Geburt später nachholen. Diese Regelung soll sicherstellen, dass Mutter und Kind nach der belastenden Zeit ausreichend Zeit zur Erholung und zum Bindungsaufbau haben. 

Da Mütter und Väter von Frühchen oft einer hohen emotionalen Belastung ausgesetzt sind, empfiehlt sich bei ihnen eine intensive emotionale Betreuung. Nicht zuletzt, weil viele Eltern mit Schuldgefühlen kämpfen, ihrem Kind nicht immer so nah sein können, wie es im Normalfall wäre, weil das Stillen zu Beginn nicht klappt und weil die Geburt schneller kam als geplant. Medizinisches Personal, Hebammen und Familien- und psychotherapeutische Hilfe sollten Frühchen-Eltern daher unbedingt unterstützend zur Seite stehen. 

Grundschulkind mit Zopf küsst den Bauch der schwangeren Mutter
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Schwangerschaft und Geburt
Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.