Was ist eine Nabelschnurumschlingung und welche Arten gibt es?
Von einer Nabelschnurumschlingung spricht man, wenn sich die Nabelschnur um einen Körperteil des ungeborenen Kindes legt. Am bekanntesten ist die Umschlingung des Halses, medizinisch auch Nackenschnur genannt. Die Nabelschnur kann sich jedoch auch um Arme, Beine, Schultern oder den Rumpf wickeln.
Es wird zwischen einer einfachen und einer mehrfachen Umschlingung unterschieden. Außerdem wird beurteilt, ob die Schlinge locker oder straff anliegt. Lockere Umschlingungen sind deutlich häufiger und verursachen meist keinerlei Probleme. Selbst mehrere lockere Schlingen haben häufig keinen Krankheitswert, da die Nabelschnur von Natur aus widerstandsfähig aufgebaut ist und die Blutgefäße von der sogenannten Wharton-Sulze umgeben sind, einem gelartigen Gewebe, das sie vor Druck und Abknicken schützt. Von größerer Bedeutung sind straffe Umschlingungen, da sie unter bestimmten Umständen den Blutfluss durch die Nabelschnur beeinträchtigen können.
Welche Ursachen hat sie?
Nabelschnurumschlingungen entstehen meist durch die normalen Bewegungen eures ungeborenen Kindes in eurem Bauch und durch die Schwerelosigkeit im Fruchtwasser. Die Nabelschnur ist lang und flexibel, damit euer Baby ausreichend Bewegungsfreiheit hat und während der Schwangerschaft zuverlässig über die Plazenta versorgt werden kann. Dadurch kann sie sich gelegentlich um Arme, Beine, den Rumpf oder den Hals des Kindes legen.
Außerdem gibt es bestimmte Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Umschlingung erhöhen:
• besonders lange Nabelschnur
• größere Fruchtwassermenge (Polyhydramnion/Fruchtwassersucht)
• sehr aktives Kind
• Mehrlingsschwangerschaften (z. B. Zwillinge)
In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um einen zufälligen Vorgang, der nicht verhindert werden kann.
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Wann wickelt sich die Nabelschnur um das Kind?
Eine Umschlingung kann grundsätzlich während der gesamten Schwangerschaft entstehen. Besonders häufig geschieht dies im zweiten und frühen dritten Trimester, wenn das Kind noch ausreichend Platz für Drehungen und Bewegungen hat. Da sich die Lage der Nabelschnur jederzeit verändern kann, bedeutet ein Nachweis im Ultraschall nicht zwangsläufig, dass die Umschlingung bis zur Geburt bestehen bleibt. Ebenso kann sie erst kurz vor oder während der Geburt entstehen.
Wie häufig kommt eine Nabelschnurumschlingung vor?
Nabelschnurumschlingungen sind keine Seltenheit. Laut Studien besteht bei etwa 22 Prozent eine Nabelschnurumschlingung. Mehrfache Umschlingungen kommen deutlich seltener vor, werden aber ebenfalls regelmäßig beobachtet.
Wie bemerkt man sie und wann sollte man ins Krankenhaus?
Da ihr eine Nabelschnurumschlingung an sich nicht spürt, wird sie in der Regel bei euren Schwangerschaftsvorsorgeunteruschungen während des Ultraschalls oder durch eine Dopplersonografie erkannt. Allerdings ist die Diagnose nicht immer eindeutig. Zudem kann sich die Situation im Verlauf der Schwangerschaft verändern, da sich das Kind bewegt und die Nabelschnur ihre Lage verändern kann. Der Nachweis allein erfordert in der Regel keine Behandlung.
Wird eine Nabelschnurumschlingung beispielsweise bei euch diagnostiziert oder vermutet, können je nach Schwangerschaftswoche und individueller Situation weitere Kontrollen sinnvoll sein. Mithilfe von Ultraschalluntersuchungen, Dopplersonografie und CTG-Kontrollen lässt sich beurteilen, ob euer Baby gut versorgt wird. Außerdem solltet ihr generell weniger Kindsbewegungen oder andere Auffälligkeiten immer zeitnah ärztlich abklären.
Welche Gefahren birgt eine Nabelschnurumschlingung in der Schwangerschaft?
Die größte Sorge vieler Eltern ist, dass sich das Kind im Mutterleib selbst stranguliert. Diese Angst ist verständlich, entspricht aber nicht der medizinischen Realität. Das ungeborene Kind atmet im Bauch nicht über Mund und Nase. Die Sauerstoffversorgung erfolgt ausschließlich über die Plazenta und die Nabelschnur. Eine lockere Schlinge um den Hals führt daher nicht dazu, dass dem Baby die Luft abgeschnitten wird.
Gefährlich kann eine Nabelschnurumschlingung erst dann werden, wenn die Nabelschnur stark komprimiert oder eingeklemmt beziehungsweise abgedrückt wird. In diesem Fall kann der Blutfluss durch die Nabelschnurgefäße vorübergehend eingeschränkt sein. Mögliche Folgen sind Veränderungen der kindlichen Herzfrequenz oder eine verminderte Sauerstoffversorgung.
Welche Risiken bestehen während der Geburt und bei Beckenendlage?
Während der Geburt kann die Nabelschnur zwischen Kind und Geburtskanal eingeklemmt oder abgeknickt werden. Dadurch kann kurzfristig die Durchblutung über die Nabelschnur und damit die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinträchtigt sein. Das zeigt sich in vorübergehenden Veränderungen der Herzfrequenz, weshalb die kindliche Herzaktivität unter der Geburt engmaschig überwacht wird. In seltenen Fällen kann sich eine bestehende Umschlingung zusätzlich verstärken oder die Nabelschnur im Geburtskanal stärker komprimiert werden. Dann zeigen sich entsprechende Veränderungen im CTG, die je nach Situation unterschiedliche geburtshilfliche Maßnahmen erforderlich machen können. Ist der Kopf bereits geboren, kann die Umschlingung häufig direkt gelöst oder die Nabelschnur durchtrennt werden. Ist das Kind noch nicht vollständig geboren und sind die Herztöne auffällig, kann unter Umständen eine vaginal-operative Entbindung mit Saugglocke oder Geburtszange oder ein Kaiserschnitt notwendig werden. Eine weitere, jedoch sehr seltene Geburtskomplikation ist der Nabelschnurvorfall.
Liegt eine Beckenendlage und Nabelschnurumschlingung vor, kann dies Einfluss auf die Geburtsplanung haben. Insbesondere bei einer äußeren Wendung wird sorgfältig geprüft, ob die Voraussetzungen diese ermöglichen oder ob ein geplanter Kaiserschnitt die sicherere Geburt ist.
Was ist ein Nabelschnurknoten?
Ein Nabelschnurknoten ist eine seltene Schwangerschaftskomplikation, bei der sich durch Bewegungen des Kindes eine Schlaufe in der Nabelschnur so verschlingen kann, dass der Eindruck eines Knotens entsteht. In den meisten Fällen bleibt dieser Knoten locker, und die Nabelschnur ist durch ihre elastische Struktur und die sogenannte Wharton-Sulze gut geschützt, sodass die Versorgung des Kindes nicht beeinträchtigt wird und die Schwangerschaft unauffällig verläuft. Problematisch kann es werden, wenn sich der Knoten unter bestimmten Bedingungen festzieht und dadurch die Durchblutung der Nabelschnur eingeschränkt wird.
Es gibt zwei Nabelschnurknoten-Formen:
- Echter Nabelschnurknoten:entsteht meist dadurch, dass das Kind im frühen Schwangerschaftsverlauf durch eine Nabelschnurschlinge hindurchgleitet. Diese Form tritt nur selten auf und wird je nach Studie bei etwa 0,3 bis 2,1 Prozent der Schwangerschaften beobachtet.
- Falscher Nabelschnurknoten:ist eine knotenähnliche Verdickung oder eine stärkere Abknickung der Nabelschnur, die zum Beispiel durch Gefäßverläufe oder lokale Verdickungen im Gewebe entstehen kann.
In Studien wird ein echter Nabelschnurknoten mit einem erhöhten Risiko für eine eingeschränkte kindliche Entwicklung während der Schwangerschaft (intrauterine Wachstumsverzögerung) sowie für seltene schwerwiegende Verläufe bis hin zur Totgeburt in Verbindung gebracht. Diese Komplikationen treten jedoch sehr selten auf.
Quellen
- PLOS:https://doi.org/10.1371/journal.pone.0239630
- DocCheck Flexikon:Nabelschnurknoten
Hallo Baby – Frühgeburtenscreening und wichtige Tests für eine gesunde Schwangerschaft
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