Steißgeburt: Klappt die Geburt mit dem Po voran?

Letzte Aktualisierung: 03. August 2026Lesezeit: 4 Minuten
Wenn euer Baby in Beckenendlage liegt, stellt sich nicht nur die Frage nach einer äußeren Wendung und einem Kaiserschnitt, sondern ob es auch unabhängig davon vaginal zur Welt kommen kann. Die Entscheidung, ob ihr es vaginal in Steißlage oder per Kaiserschnitt gebärt, hängt immer von individuellen Faktoren ab, da eine vaginale Geburt in Beckenendlage nicht immer möglich und im Vergleich zur Schädellage risikoreicher ist. Wir haben die wichtigsten Infos für euch!
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Was ist eine Beckenendlage?

Von einer Beckenendlage (Steißlage) spricht man, wenn euer Baby im Mutterleib mit dem Becken nach unten liegt und der Kopf sich im oberen Bereich der Gebärmutter befindet. Bei der Geburt würde somit nicht der Kopf, sondern Beine und Rumpf zuerst geboren. Diese Lage ist in den letzten Wochen der Schwangerschaft nicht ungewöhnlich und betrifft einen kleinen Teil aller Schwangerschaften, ist aber medizinisch von Bedeutung, weil sich daraus besondere Anforderungen auf die Geburt ergeben.

Was sind die Ursachen für eine Beckenendlage?

Warum sich ein Baby bis zum Ende der Schwangerschaft nicht in Schädellage dreht, lässt sich häufig nicht eindeutig erklären beziehungsweise wird nur bei etwa 15 bis 20 Prozent der Schwangeren eine konkrete Ursache gefunden. 

Zu den möglichen Auslösern zählen:

• Fehlbildungen der Gebärmutter

• Myome

• ungünstige Lage der Plazenta

• zu kurze Nabelschnur oder Nabelschnurumschlingung

• genetische Faktoren

Wie schon erwähnt, verändert sich die Lage des Kindes während der Schwangerschaft immer wieder. Selbst in den letzten Wochen vor der Geburt können sich manche Babys daher noch spontan von der Steiß- in die Schädellage drehen.

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Kann ich mit Steißgeburt trotzdem vaginal entbinden?

Auch wenn viele Schwangere zunächst automatisch an einen Kaiserschnitt denken, ist eine vaginale Geburt in Beckenendlage unter bestimmten Voraussetzungen trotzdem möglich. Ob dieser Weg gewählt werden kann, hängt von mehreren medizinischen Faktoren ab.

In der Regel versucht ihr erstmal mithilfe eurer Hebamme und Ärzt*innen mit sanften Methoden die Beckenendlage zu verhindern und falls dies nicht klappt, die äußere Wendung, um euer Baby in Schädellage zu drehen. In dem Artikel zur äußeren Wendung findet ihr übrigens auch die Arten der Beckenendlage.

Voraussetzungen, um eine vaginale Steißgeburt durchführen zu können:

  • Kind liegt in einer günstigen Steißlage ohne extreme Beinstellung
  • geschätztes Geburtsgewicht ist unauffällig
  • keine Risikoschwangerschaft mit zusätzlichen Komplikationen
  • Geburtsklinik hat Erfahrung mit Beckenendlagengeburten

Wie läuft eine Geburt in Beckenendlage genau ab?

Eine vaginale Geburt in Beckenendlage beginnt wie jede andere Geburt. Die Wehen setzen ein, der Muttermund öffnet sich und das Baby schiebt sich in den Geburtskanal. Der Unterschied zeigt sich erst in der Austrittsphase:

Bei einer Steißgeburt kommen zuerst Gesäß oder Beine zur Welt, danach Rumpf und Schultern und zuletzt der Kopf. Genau das macht diese Phase anspruchsvoll, denn der Kopf ist der größte Teil des Körpers und weitet den Geburtskanal stärker als Steiß und Rumpf. Auch wenn die Geburt bis dahin gut läuft, kann es daher ausgerechnet am Ende noch schwierig werden. Deshalb werden die Herztöne des Kindes durchgehend überwacht und Hebammen und Ärzt*innen beobachten den Geburtsverlauf besonders aufmerksam, um bei Bedarf mit gezielten Handgriffen einzugreifen. Viele Kliniken empfehlen daher aufrechte Geburtspositionen oder den Vierfüßlerstand, weil diese die Beweglichkeit des Beckens fördern und die Geburt erleichtern können.

Dennoch kann auch bei einer sorgfältigen Vorbereitung eine Steißgeburt eine unvorhergesehene Wendung nehmen. Schreitet sie nämlich nicht weiter voran oder treten Komplikationen auf, ist manchmal auch noch während einer vaginalen Geburt in Beckenendlage ein Kaiserschnitt notwendig.

Wie wägt man einen geplanten Kaiserschnitt am besten ab?

Ein geplanter Kaiserschnitt bei Beckenendlage kommt dann infrage, wenn absehbare zusätzliche Risikofaktoren vorliegen oder wenn die Voraussetzungen für eine vaginale Geburt nicht optimal eingeschätzt werden können. Die Entscheidung wird in der Regel im letzten Schwangerschaftsdrittel gemeinsam mit der betreuenden Klinik getroffen und richtet sich nach medizinischen Kriterien sowie eurer persönlichen Situation. Wichtig ist, dass ihr die Möglichkeit habt, euch mit der Situation anzufreunden und euch nicht übergangen oder unter Druck gesetzt fühlt und dass noch offene Fragen und mögliche Sorgen ernstgenommen und beantwortet werden. Nicht nur, um eure und die Gesundheit eures Kindes nicht zu gefährden, sondern auch, um euch vor zum Beispiel psychischer Gewalt im Kreißsaal zu schützen.

Wie häufig klappt eine vaginale Steißgeburt?

Wie häufig eine geplante vaginale Steißgeburt tatsächlich glückt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Erfolgsraten unterscheiden sich je nach Klinik, Erfahrung des Teams und den individuellen Voraussetzungen von Mutter und Kind. Die Frauenklinik des Universitätsklinikums Tübingen gibt beispielsweise an, dass etwa die Hälfte der Frauen, die sich für eine vaginale Geburt in Beckenendlage entscheiden, ihr Kind auch tatsächlich vaginal zur Welt bringt. Bei der anderen Hälfte ist im Verlauf der Geburt ein Kaiserschnitt notwendig.

Quellen

  1. Universitätsklinikum Tübing:
    Universitäts-Frauenklinik
  2. BZgA:
    familienplanung.de
Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.