Rückenschmerzen

    Rückenschmerzen sind in Deutschland Volkskrankheit Nummer eins und verursachen die meisten Arbeits­unfähigkeitstage unter pflichtversicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen. Seit 2005 sind die Fehlzeiten bei Muskel- und Skeletterkrankungen fast um ein Drittel angestiegen. Dies geht aus dem BKK Gesundheitsreport 2013 „Gesundheit in Bewegung“ hervor, der sich schwerpunkt­mäßig dieser Krankheitsart widmet. Wie ist die Wirbelsäule aufgebaut? Unsere Wirbelsäule muss in allen Alltagssituationen enormen ­Belastungen standhalten. Sie ist die zentrale Achse des Körpers und bildet das Bindeglied zwischen Kopf und Becken. Die Wirbelsäule trägt das Gewicht von Kopf, Armen und Rumpf und muss zudem auch elastisch sein, um Bück-, Streck- oder auch Drehbewegungen zu ermöglichen. Deshalb wird sie auch zu Recht als Multitalent bezeichnet. Die s-förmig geschwungene Wirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln, fünf Lendenwirbeln, dem Kreuzbein und dem Steißbein. Zwischen den Wirbeln liegen Bandscheiben, die als „Stoßdämpfer“ fungieren. Diese fangen Bewegungen (wie z. B. laufen, springen) ab und dämpfen auf die Wirbelsäule einwirkende Belastungen. Die Wirbelsäule wird durch Bänder, die zwischen Wirbelkörpern, Wirbelbögen und Wirbelfortsätzen verlaufen, stabilisiert. Was sind Rückenschmerzen? Schmerzen in der Region unterhalb des Rippenbogens und oberhalb der Gesäßfalte werden als ­Rückenschmerzen bezeichnet. Diese Schmerzen können auch in andere Körperregionen ausstrahlen oder von weiteren Beschwerden begleitet werden. Zu unterscheiden sind neu aufgetretene, also ­akute Rückenschmerzen von solchen, die chronisch vorhanden sind. Akute Rückenschmerzen treten plötzlich auf und dauern nicht länger als sechs Wochen an. Bleiben die Beschwerden ­insgesamt länger als zwölf Wochen bestehen, wird von chronischen Rückenschmerzen gesprochen. Welche Ursachen können Rückenschmerzen haben? Eine Vielzahl von Ursachen können Rückenschmerzen herbeiführen. Insbesondere Fehlhaltungen (z. B. durch gebeugtes Sitzen), mangelnde Bewegung, Verspannungen der Rückenmuskulatur, Überbeanspruchung (z. B. durch langes Sitzen oder durch einseitige Körperhaltung) und Übergewicht tragen dazu bei, dass Teile der Rückenmuskulatur verkümmern. Neben den körperlichen Erkrankungen führen auch häufig psychische Probleme zu ­Rückenschmerzen. Bei übermäßigem Stress im Job, bei Mobbing oder Depressionen treten häufig Rückenschmerzen auf, die nicht auf Beschwerden im Wirbelsäulenbereich zurückzuführen sind. Sind Rückenschmerzen gefährlich? Rückenschmerzen sind nicht nur unangenehm sondern auch ­beunruhigend. Vor allem dann, wenn keine konkrete Ursache für die Schmerzen vorhanden ist und mit der Ungewissheit umgegangen werden muss, ob nicht eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken könnte. Hier können wir Sie beruhigen. In den allermeisten Fällen sind Rückenschmerzen harmlos und verschwinden ganz von selbst. In den wenigsten Fällen liegt tatsächlich eine ernsthafte Ursache vor. Wie erkennt man Rückenschmerzen? Bei langanhaltender Dauer der Rückenschmerzen, die sich nicht von selbst verflüchtigt haben, sollte der Hausarzt aufgesucht ­werden. Dieser geht der Ursache, der Bestimmung ihrer Schwere sowie (bei akuten Fällen) dem Auffinden von Faktoren, die eine Chronifizierung begünstigen können, auf den Grund. Durch das Patienten-Arzt-Gespräch und eine körperliche Untersuchung kann der behandelnde Arzt gefährliche Ursachen fast immer ausschließen. Um schnellstmöglich zu erkennen, ob für die Kreuzschmerzen nicht doch eine ernstzunehmende Ursache zugrunde liegt, gibt es Warnzeichen, die dabei helfen, spezifische Ursachen von Kreuzschmerzen mit dringendem Behandlungsbedarf festzustellen. Warnzeichen, die zu sofortiger Facharztbehandlung oder Krankenhausbehandlung bei Rückenschmerzen führen, können sein: Entzündungszeichen und Nervenschäden im Bereich der Wirbelsäule Kribbeln oder sogar Lähmungserscheinungen der Beine orgeschichte: Krebserkrankung, Cortisonbehandlung, HIV-Infektion Ungewollter Harn-/ Stuhlabgang Wie werden Rückenschmerzen behandelt? Bei unspezifischen Kreuzschmerzen bessern sich die Beschwerden in der Regel nach kurzer Zeit ganz von selbst. Im Vordergrund der Behandlung steht die Motivierung und Aktivierung des Patienten – ganz nach dem Motto „Wer rastet, der rostet“. Bettruhe oder Schonung sind für die weitere Genesung eher hinderlich. Neben körperlicher Bewegung, medizinischer Aufklärung und Beratung sowie medikamentöser Therapie gibt’s eine Reihe nicht medikamentöser Maßnahmen, wie Entspannungs- oder aktivierende Heilmittelverfahren (z. B. Krankengymnastik), welche die Behandlung von Rückenschmerzen unterstützen können. Sollten die Maßnahmen über mehrere Wochen zu keiner Besserung führen, ist eine Facharztbehandlung (Orthopädie, Schmerztherapie) einzuleiten, bei der weitergehende Untersuchungen- und Behandlungsmaßnahmen durchgeführt werden. Wie kann gegen Rückenschmerzen vorgebeugt werden? Mit viel Bewegung und durch Sport halten Sie sich fit und stärken zudem Ihren Rücken. Hierfür bieten sich viele alltägliche Bewegungsmöglichkeiten an. Neben „Treppe statt Aufzug“ gibt es noch weitere Gelegenheiten, für mehr Bewegung im Alltag zu sorgen. Sie können beispielsweise das Fahrrad zur Arbeit und für kleinere ­Erledigungen nutzen. Durch Schwimmen bauen Sie effektiv Muskulatur im Rückenbereich auf, ohne dass Gelenke, Sehnen und ­Wirbel dabei übermäßig belastet werden. Vermeiden Sie psychische Anspannungen und Stress in allen Lebenslagen, die Kreuzschmerzen negativ beeinflussen können. Präventionsmaßnahmen wie z. B. Rückenschule, Autogenes Training oder Aquafitness können zur Vorbeugung von Rückenschmerzen geeignet sein.

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