Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der dich vor Gefahren warnt und in wichtigen Momenten wachsam macht. Wird sie jedoch sehr stark, tritt häufig auf oder schränkt deinen Alltag ein, kann eine Angststörung dahinterstecken. Wir erklären, was eine Angststörung ausmacht und wie du sie von normaler Angst unterscheidest.
Angststörung oder normale Angst?
Ein Kribbeln im Bauch vor dem ersten Date, Herzklopfen vor einer wichtigen Präsentation – ein bisschen Angst kennt wirklich jede und jeder. Sie ist völlig normal und sogar sinnvoll: Sie schärft deine Sinne und hilft dir, dich auf eine Situation einzustellen. Normale Angst lässt in der Regel nach, sobald die auslösende Situation vorbei ist. Bei einer Angststörung bleibt die Angst dagegen oft bestehen oder wird bereits durch die bloße Vorstellung einer Situation ausgelöst.
Angststörung vs. Normale Angst
Angststörung | Normale Angst |
|---|---|
| Hält über einen längeren Zeitraum an | Tritt in einer bestimmten Situation auf und verschwindet wieder, sobald die Gefahr vorüber ist. |
| Beeinträchtigt spürbar Alltag, Beziehungen oder Leistungsfähigkeit | Beeinträchtigt den Alltag nicht dauerhaft |
| Körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwitzen oder Schlafstörungen sind besonders intensiv und langfristig. | Alarmzustand des Körpers hält nur kurze Zeit an. |
| Lässt sich nicht einfach durch Willenskraft oder Ablenkung kontrollieren | Lässt sich in vielen Alltagssituationen durch logisches Nachdenken oder bewusste Ablenkung regulieren, sobald der Verstand die Situation als sicher einstuft |
Ein hilfreicher Anhaltspunkt: Wenn du regelmäßig das Gefühl hast, deine Angst nicht mehr steuern zu können, oder merkst, dass du deinen Alltag zunehmend um die Angst herum organisierst, solltest du das als ernstzunehmendes Warnsignal verstehen.
Wie zeigt sich eine Angststörung?
Eine Angststörung zeigt sich meist auf drei Ebenen gleichzeitig:
- Körperlich: Atemnot, Engegefühl in der Brust, Herzrasen, Schweißausbrüche und Zittern, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kloßgefühl im Hals, Schlafstörungen, Muskelverspannungen.
- Psychisch: Intensive Angst und innere Unruhe, ständiges Grübeln und Sorgen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, ein diffuses Bedrohungsgefühl ohne objektive Gefahr, Reizbarkeit.
- Im Verhalten: Vermeidung bestimmter Situationen, Orte oder Personen, Sicherheitsverhalten wie ständiges Kontrollieren, sozialer Rückzug bis hin zu Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben.
Gerade die körperlichen Symptome führen häufig dazu, dass du zunächst eine körperliche Erkrankung vermutest und erst spät den Zusammenhang mit einer Angststörung erkennst.
Wie häufig sind Angststörungen?
Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Schätzungen zufolge entwickelt etwa jede fünfte bis siebte Person im Laufe ihres Lebens irgendeine Form einer Angststörung, Frauen etwas häufiger als Männer. Trotzdem wird das Thema oft tabuisiert – viele Betroffene schämen sich für ihre Angst oder denken, sie müssten „einfach stärker sein". Dabei handelt es sich um eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare Erkrankung – kein Zeichen von Schwäche.
Angststörungen sind zudem keine einheitliche Erkrankung. Es gibt verschiedene Arten von Angststörungen, die sich nach ihren Auslösern und Symptomen unterscheiden. Oft treten sie mit anderen medizinischen und psychischen Erkrankungen auf, wie Depressionen oder Suchterkrankungen, aber auch Migräne oder Asthma.
Wann solltest du dir Hilfe suchen?
Professionelle Unterstützung ist sinnvoll, wenn deine Angst über mehrere Wochen oder Monate anhält, du bestimmte Situationen zunehmend vermeidest oder Selbsthilfestrategien nicht mehr ausreichen. Irrtümer über Angststörungen halten sich hartnäckig. Also auch wenn dir deine Angst noch nicht „schlimm genug" erscheint, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder direkt in eine psychotherapeutische Sprechstunde. Je früher du dir Unterstützung holst, desto leichter lässt sich eine eventuelle Angststörung diagnostizieren und behandeln.
Wie wird eine Angststörung behandelt?
Tipps für Angehörige von Menschen mit Angststörung
Quellen
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e. V.:Kurzinformation: Angst – Normales Gefühl oder doch eine seelische Störung?
- Stiftung Gesundheitswissen:Was ist eine Angststörung?
- Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG):Krankheitsbild: Angsterkrankungen
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