Geburtsstillstand – Wenn die Geburt ins Stocken gerät

Letzte Aktualisierung: 18. Mai 2026Lesezeit: 6 Minuten
Eine Geburt verläuft selten nach einem starren Zeitplan. Schließlich ist jede Schwangerschaft und jede Geburt individuell. Dazu zählen auch mögliche Geburtskomplikationen wie der Geburtsstillstand - auch „arrest of labour“ oder „failure to progress“ genannt. Er betrifft zwar nur einen Teil aller Geburten, ist aber eine der häufigsten Ursachen für operative Geburtsbeendigungen wie Kaiserschnitt oder Saugglocke. Wir erklären euch, wann es sich um einen Geburtsstillstand handelt, welche Ursachen dahinterstecken können, welche Risiken es gibt und wann medizinisches Eingreifen notwendig ist.
Schwangere erhält eine PDA

Inhalt

Was ist ein Geburtsstillstand?

Von einem Geburtsstillstand spricht man, wenn sich die Geburt trotz aller erschöpften Maßnahmen für eine spontane Geburt über einen längeren Zeitraum nicht mehr weiterentwickelt. 

Dabei wird in zwei Phasen unterschieden:

  • Geburtsstilland über zwei Stunden in der Eröffnungsphase:Muttermund öffnet sich nicht weiter.
  • Geburtststillstand über eine Stunde in der Austreibungsphase:Kind tritt trotz vollständiger Muttermundöffnung nicht weiter in das mütterliche Becken ein.

Die moderne Geburtshilfe orientiert sich dabei an klinischen Leitlinien, berücksichtigt allerdings immer den Gesamtzustand von Mutter und Kind. 

Wie lange kann man abwarten?

Entscheidend ist bei einem Geburtsstillstand also nicht nur die Zeit, sondern vor allem der Zustand von Mutter und Kind. Solange beide stabil sind, kann in vielen Fällen noch abgewartet oder unterstützend eingegriffen werden. Wichtig ist, dass medizinisches Personal hier sehr einfühlsam mit der Gebärenden umgeht. Oft bringen Geduld, einfühlsame und stärkende Worte, Massagen und Lagewechsel mehr als vorschnelle Wehenmittel, Saugglocke oder Kaiserschnitt. 

Die Voraussetzung dafür ist allerdings leider auch, dass das medizinische Personal genug Zeit für Mutter und Kind hat. Hinzu kommt, dass schlussendlich die Ärzt*innen und Hebammen die Verantwortung für einen sicheren Geburtsverlauf tragen und daher die Einschätzungen, wann medizinisch interveniert wird, sehr individuell ausfallen können. 

Grundschulkind mit Zopf küsst den Bauch der schwangeren Mutter

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Wie häufig ist ein Geburtsstillstand?

In Deutschland wurden 2024 rund 670.000 Kinder geboren¹. Laut internationaler und europäischer Studien weisen 10 bis 20 Prozent aller Geburten einen deutlich verzögerten oder stagnierenden Geburtsverlauf auf². Nicht jeder dieser Fälle endet in einem echten Geburtsstillstand, doch ein fehlender Fortschritt ist eine der häufigsten medizinischen Begründungen für operative Geburten.

Häufige Geburtsstillstand-Ursachen

Die Ursachen eines Geburtsstillstands sind vielfältig. Häufig spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.

Ungünstige Kindslagen

Bestimmte Lagen können verhindern, dass der kindliche Kopf korrekt durch den Geburtskanal gleitet und erschweren so die natürliche Geburt.

Beckenendlage: Das Kind liegt mit dem Gesäß nach unten.

• Quer- oder Schräglage: Das Kind liegt seitlich im Mutterleib.

• Hinterhauptslage mit ungünstiger Drehung: Der Kopf ist nicht optimal ins Becken eingestellt.

Schulterdystokie

Bei der Schulterdystokie bleibt nach der Geburt des Kopfes eine Schulter hinter dem Schambein der Mutter hängen. Dadurch kann die Geburt nicht normal fortgesetzt werden und erfordert sofortige geburtshilfliche Maßnahmen.

Missverhältnis zwischen Kind und Becken

Ist der kindliche Kopf im Verhältnis zum mütterlichen Becken sehr groß, kann es zu einem mechanischen Hindernis kommen, das das Fortschreiten der Geburt blockiert.

Unzureichende Wehentätigkeit

Wehen können zu schwach, zu unregelmäßig oder nicht effektiv genug sein, um den Muttermund weiter zu öffnen oder das Kind tiefer treten zu lassen. Hebamme Sissi Rasche hat Tipps für euch, um die Wehen natürlich zu fördern.

Erschöpfung oder Blockaden der Mutter

Lange Geburtsverläufe führen zu körperlicher Erschöpfung, wodurch die aktive Mitwirkung der Gebärenden eingeschränkt sein kann. Auch seelische und körperliche Blockaden und Verspannungen der Muskulatur oder des Beckens können zum Geburtsstillstand führen. 

Weitere Faktoren

Myome, Narben an der Gebärmutter oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder Diabetes Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes oder Adipositas und mehr können den Geburtsverlauf negativ beeinflussen.

Wann muss bei einem Geburtsstillstand eingeschritten werden und was passiert dann?

Im Idealfall sind sich Mediziner*innen und die Gebärende einig, wenn der natürliche Geburtsverlauf nicht mehr sicher fortgeführt werden kann. 

Dann stehen mehrere Optionen zur Verfügung:

wehenfördernde Medikamente (Oxytocin)
Lagerungswechsel und Mobilisation bzw. unterschiedliche Geburtspositionen
Schmerztherapie, zum Beispiel durch PDA
manuelle Korrektur der Kindslage
operative vaginale Geburt mit Saugglocke oder Geburtszange
Kaiserschnitt, wenn keine sichere vaginale Entbindung möglich ist
 

Ziel aller Maßnahmen ist es, Mutter und Kind vor Sauerstoffmangel, Verletzungen und Überlastung zu schützen.

Welche Risiken birgt ein Geburtsstillstand?

Ein länger anhaltender Geburtsstillstand kann folgende Risiken erhöhen:

  • Sauerstoffmangel beim Kind
  • Erschöpfung und Kreislaufbelastung der Mutter
  • höhere Wahrscheinlichkeit für operative Eingriffe
  • erhöhtes Risiko für Geburtsverletzungen

Durch moderne Überwachung und klare Leitlinien lassen sich diese Risiken heute jedoch meist frühzeitig erkennen und gut kontrollieren.

So könnt ihr euch auf einen Geburtsstillstand vorbereiten

Zwar könnt ihr euch auf eine Geburt nie komplett vorbereiten, aber gerade bei eurer ersten Schwangerschaft sind folgende Tipps wertvoll, um die Geburt so selbstbestimmt und sicher wie möglich mitzugestalten.

  1. 1

    Blockaden und Verspannungen vorbeugen

    bereits in der Schwangerschaft haben viele Schwangere mit körperlichen Blockaden und Verspannungen zu kämpfen, die sich auch auf die Geburt auswirken können. Physiotherapie, Dehnübungen und sanfte Bewegung wie Schwangerschaftsyoga oder Pilates entlasten euren Körper während der Schwangerschaft und stärken ihn für die Geburt.
    Geburtsvorbereitung mit der BIG und Keleya
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    Medizinisches Grundwissen

    Informiert euch in der Schwangerschaft, welche medizinischen Optionen ihr bei einem Geburtsstillstand habt und trefft vielleicht schon mal eine grobe Entscheidung, weil ihr dazu während der Wehen kaum in der Lage seid. Entscheidet am besten vorher, ob und ab wann ihr eine PDA wünscht. Die Möglichkeit der Mitentscheidung gibt euch außerdem Selbstbewusstsein für die bevorstehende Geburt. Ergänzend dazu könnt ihr mit eurer Geburtsbegleitung während der Schwangerschaft auch eine Geburtsmassage und weitere Entspannungstechniken für die Geburt erlernen bzw. absprechen.
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    Geburtsbegleitung oder Doula

    Besprecht mit euer Geburtsbegleitung, welche Behandlungen ihr wünscht und wann beispielsweise eure Begleitung das „Kommando“ übernehmen und zu eurer Stimme während der Geburt werden soll. Falls euch das nicht reicht, könnt ihr auch eine Doula engagieren.
    Doula – ganzheitliche Geburtsbegleitung
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    Entspannungstechniken gegen Ängste

    Eine Geburt macht immer etwas Angst und ist schmerzhaft. Allerdings lassen sich Ängste durch eine gute Vorbereitung mindern. Dazu gehört nicht nur medizinisches Wissen und ein gestärkter Körper, sondern natürlich auch eure seelische Verfassung. Wie ihr gut für euch sorgen könnt, erfahrt ihr im Geburtsvorbereitungskurs (für Paare), bei eurer Hebamme oder Doula. Ihr könnt euch auch mit Praktiken wie Meditation beschäftigen oder alle Dinge in Betracht ziehen, die euch dabei helfen, zu entspannen und Ängste oder Unsicherheiten zu mindern.
Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.