Welche Vorteile hat Massage während der Geburt?
Massagen während der Geburt können von euren Partner*innen bzw. eurer persönlichen Begleitung, Physiotherapeut*innen oder Doula gemacht werden und wirken auf mehreren Ebenen: Sie können Verspannungen lösen, die Durchblutung fördern und zur Entspannung beitragen. Studien zeigen, dass Massagen insbesondere im Bereich des unteren Rückens und des Kreuzbeins die Schmerzintensität während der Wehen reduzieren und die Geburtszufriedenheit erhöhen können. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Massage den Geburtsverlauf positiv beeinflussen und die Dauer einzelner Geburtsphasen verkürzen kann.
Ein möglicher Erklärungsansatz liegt in den hormonellen Effekten: Massage kann den Spiegel von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin senken und gleichzeitig die Ausschüttung von Glückshormonen wie Endorphinen und Oxytocin fördern. Dadurch können Schmerzen als weniger intensiv wahrgenommen werden und die Wehentätigkeit unterstützt werden.
Auch für das Kind kann sie Vorteile haben: Nicht nur kann sich der insgesamt stabilere Zustand der Mutter positiv übertragen. In Studien wurden zudem bessere Apgar-Werte nach einer und fünf Minuten beobachtet, was auf einen stabileren Zustand des Neugeborenen in den ersten Lebensminuten hinweisen kann.¹
Tipp: In einem Geburtsvorbereitungskurs für Väter bzw. Partner*innen könnt ihr diese Techniken lernen.

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Welche Massagetechniken sind für die Geburt geeignet?
Rücken- und Kreuzbeinmassage
Ziel und Vorteile: Dient speziell in der Wehenpause als Entlastung für den unteren Rücken, zur Lockerung des Beckenbereichs und Linderung von Schmerzen sowie zur Unterstützung der Beckenmobilisation.
Anleitung:
Position: Seitenlage oder VierfüßlerstandHände flach auf den unteren Rücken und das Kreuzbein legen. Sanften, gleichmäßigen Druck ausüben und kreisend massieren
Nacken- und Schultermassage
Ziel und Vorteile: Löst Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich, reduziert Stress und fördert Ruhe und Entspannung.
Anleitung:
Schultern und Nacken mit Daumen und Handballen sanft massieren.Langsame und gleichmäßige Bewegungen dabei machen. Besonders auf verspannte Stellen achten.
Fuß- und Wadenmassage
Ziel und Vorteile: Entspannung und Ablenkung von den Wehenschmerzen, Förderung der Durchblutung sowie Linderung von Schwellungen.
Anleitung:
Füße auf ein Kissen legen.Ballen, Fußsohlen und Zehen sanft massieren. Kreisende Bewegungen und leichter Druck fördern das Wohlbefinden. Waden sanft streichen, um die Durchblutung anzuregen und Anspannungen in den Beinen zu lösen.
Handmassage
Ziel und Vorteile: Unterstützung der Entspannung, Ablenkung von Wehenschmerzen, Förderung von Nähe und emotionaler Sicherheit. Besonders bei einer PDA kann diese Massage entspannend sein, da die Gebärende ihren Rumpf nicht mehr spürt.
Anleitung:
Die Hand der Gebärenden sanft und locker halten.Mit Daumen und Fingern sanfte, kreisende Bewegungen über Handfläche und Finger ausführen. Finger einzeln leicht massieren und sanft darüber- bzw. ausstreichen.
Hand- und Fußreflexzonenmassage
Ziel und Vorteile: Förderung von Entspannung, gezielte Reizsetzung über bestimmte Druckpunkte sowie mögliche Unterstützung der Körperwahrnehmung und Ablenkung von Wehenschmerzen.
Anleitung:
An den Füßen können vor allem der Bereich unter dem Fußballen, das Fußgewölbe sowie die Ferse sanft stimuliert werden.An der Hand eignen sich Handfläche und der Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger für vorsichtigen Druck. Druck für einige Sekunden halten und anschließend wieder lösen, statt nur zu streichen. Regelmäßig nachfragen, ob der Druck angenehm ist.
Welche Vorteile hat Massage nach der Geburt?
Massagen im Wochenbett können dabei helfen, den Körper bei der Rückbildung zu unterstützen und Verspannungen zu lösen, die durch Geburt, Stillen oder das häufige Tragen des Babys entstehen. Außerdem fördern sie die Durchblutung, können Schwellungen reduzieren und helfen vielen Eltern, bewusst gemeinsame Entspannungsphasen in den neuen Alltag einzubauen. Auch emotional kann Massage entlastend wirken, da sie Ruhe vermittelt und das Körpergefühl nach der Geburt und speziell im Wochenbett stärkt.
Welche Massagetechniken eignen sich im Wochenbett?
Rücken- und Nackenmassage
Ziel und Vorteile: Lösen von Verspannungen, Entlastung durch Stillen oder Tragen, Förderung der Entspannung und Paarzeit.
Anleitung:
Hände auf Schultern legen.Mit sanftem Druck nach unten massieren und streichen. Mehrmals täglich für etwa 15 Minuten wiederholen, wenn nötig.
Sanfte Bauchmassage
Ziel und Vorteile: Lockerung der beanspruchten Bauchmuskulatur, Unterstützung der Verdauung, Förderung der Durchblutung und natürlich der Entspannung.
Wichtig: Nach einem Kaiserschnitt sollte auf Bauchmassagen etwa für zwei bis drei Wochen verzichtet werden. Erst nach vollständiger Wundheilung und Rücksprache mit der Hebamme oder den behandelnden Ärzt:innen können sanfte Techniken sinnvoll sein bzw. könnt ihr natürlich vorher schon andere Körperbereiche massieren. Hier findet ihr mehr Tipps zur Kaiserschnitt-Nachsorge.
Anleitung:
Handflächen flach auf den Bauch legen.Leichte und kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn. Übt dabei nur sanften Druck aus und erkundigt euch immer wieder, ob es angenehm für eure Partnerin ist.
Bein- und Fußmassage
Ziel und Vorteile: Reduktion von Schwellungen, Förderung der Durchblutung, Entspannung nach körperlicher Belastung und durch das ganze Liegen im Wochenbett. Übrigens: So unterstützt ihr Mütter im Wochenbett außerdem.
Anleitung:
Lagert die Beine mit Kissen oder Decken hoch.Knetet und streicht die Waden und Füße sanft.
Utensilien und Vorbereitung für Massagen während und nach der Geburt
- Massageöl oder Lotion:möglichst ohne Duftstoffe
- Kissen oder Decke:für Rücken, Kopf oder Beine
- Gymnastikball, kleine Massagebälle/Igelball :je nach Wunsch
- Handtücher:für Hygiene und Komfort
- Ruhiger Raum und gedämpftes Licht:unterstützt Entspannung
Sicherheitshinweise für Massagen während und nach der Geburt
Rücksprache, Position und Umgebung
Grundsätzlich gilt: Klärt im Vorfeld immer zuerst mit eurer Hebamme oder euren Ärzt*innen, ob Massagen in eurer individuellen Situation sinnvoll sind, insbesondere wenn ihr eine Risikoschwangerschaft, Geburtskomplikationen und vor allem einen Kaiserschnitt hattet.
Kommunikation und Bedürfnisse der Gebärenden
Sprecht vor der Massage gemeinsam ab, was sich angenehm anfühlt und wie ihr während der Geburt miteinander kommuniziert. Achtet darauf, die Signale der Gebärenden ernst zu nehmen: Wenn eine Berührung unangenehm ist, sollte sie sofort angepasst oder beendet werden.
Sanfte Massage
Massagen sollten während und nach der Geburt immer sanft und achtsam durchgeführt werden. Zu starker Druck, wie er bei klassischen Massagen üblich ist, kann Schmerzen verstärken oder dazu führen, dass die Gebärende stärkere Anspannung oder sogar Schmerzen hat. Wichtig ist deshalb, die Intensität jederzeit an die aktuelle Situation anzupassen.
Vorsicht bei parfümierten und ätherischen Zusätzen
Verwendet nur Öle oder Lotionen, die gut verträglich sind und von der Gebärenden als angenehm empfunden werden. Parfümierte Produkte können Hautreaktionen auslösen oder als störend empfunden werden. Bei ätherischen Ölen ist besondere Vorsicht geboten, da einige die Wehen beeinflussen oder den Kreislauf belasten können. Sprecht deren Verwendung daher immer vorher mit der Hebamme ab.
Quellen
- ¹JCDR:DOI: 10.7860/JCDR/2016/17447.7688
- ScienceDirect:A systematic review and meta-analysis
- European Journal of Midwifery:DOI: https://doi.org/10.18332/ejm/216378
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