Digital Detox – Zwischendrin abschalten

    Morgens geht der erste Griff zum Smartphone, um den Wecker auszuschalten. Beim Frühstück ersetzen Online-Nachrichten die auf Papier gedruckte Zeitung. Und auf dem Weg zur Arbeit werden kurz die ersten E-Mails auf dem Smartphone gecheckt. Die Abendverabredung geht schnell per WhatsApp an die Freunde raus. Auch die jüngste Krankmeldung wird mit dem Handy abfotografiert und schnell und einfach per E-Mail an die Krankenkasse geschickt.

    Der erste und der letzte Griff

    Abends, im Bett angekommen, wird vor dem Schlafengehen noch gecheckt, was in der Social-Media-Welt passiert, der Wecker für morgen gestellt, und der Tag ist zu Ende.

    Geht es noch ohne?

    Das ist kein Werbeszenario eines Handyherstellers. Smartphones, Apps und Internet begleiten uns in fast allen Lebenslagen als Wecker, Uhr, Fotoapparat und Kamera, Schrittzähler, Routenplaner, E-Mail-Postfach, digitaler Treffpunkt mit Freunden und News- und Unterhaltungs-Kanal vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Ein Tag ohne permanente Smartphone-Nutzung ist heutzutage fast unvorstellbar. Das birgt Gefahren, denn der Übergang von normalem Gebrauch zur Sucht ist fließend. Wissenschaftlich ist (noch) nicht klar definiert, ab welcher Nutzungsintensität es sich um Smartphone-Sucht handelt. Einige Forscher sprechen bei einer täglichen Nutzung von mehr als vier Stunden von einer Abhängigkeit. Wie bei jeder anderen Sucht sind auch hier typische Sucht-Indizien die Vernachlässigung von Kontakten zu Menschen und realen Aufgaben, ein zunehmendes Bedürfnis nach Smartphone- beziehungsweise Internet-Konsum. Dazu kommt auftretende Nervosität, wenn die Nutzung nicht möglich ist. Auch wenn nur wenige nach dieser Definition süchtig sind, sollte bei allem praktischen Nutzen des digitalen Fortschritts und dem konstanten Online-Sein eines immer klar sein: Die Technik ist für uns da – nicht umgekehrt.

    Neuigkeiten gibt es immer – tatsächlich?

    Der Türöffner in die digitale Welt ist das immer griffbereite Smartphone, das uns fast überall Zugang zu den unzähligen Möglichkeiten des Internets verschafft. Das permanente Online-Sein lässt Erwachsene durchschnittlich 80-mal, Jugendliche sogar 136-mal pro Tag auf ihr Smartphone-Display schauen. Push-Benachrichtigungen zu aktuellen News, Chat-Nachrichten oder Urlaubsbilder von Freunden: Vom Hier und Jetzt ablenkende (vermeintliche) Neuigkeiten gibt es zu jeder Tages- und Nachtzeit genug – und wenn beim Schnell-Check nicht gleich etwas ins Auge springt, findet sich jederzeit etwas beim Surfen durch Social Media und in den Weiten des Webs.

    Wir sind im Dauerbetrieb

    Schnell entsteht das Gefühl, online etwas zu verpassen. In Alltagssituationen wie beim Schlangestehen im Supermarkt, dem Warten an der Bushaltestelle oder auf Freunde landet der Blick instinktiv im Moment der ungewollten Ruhe auf dem Display des Smartphones. Statt unsere direkte Umgebung und den Augenblick auf uns wirken zu lassen, wenden wir uns von unseren Mitmenschen ab und tauchen in die virtuelle Welt ein. Damit setzen wir unser Gehirn einem Dauerfeuer an digitalen Informationen aus. Unsere zentrale Schaltstelle arbeitet durchgehend und bekommt keine Pause.

    BIGspot: Digital macht Spaß!

    Digital macht Spaß! Aber wann wird es zuviel? Gibt es gesundheitliche Risiken? Warum sollte man auch mal die Finger vom Smartphone lassen?

    BIG auf YouTube, transcript (TXT, 5,36 kB)

    Konzentration:

    Konzentration:

    Das Resultat: Studien fanden heraus, dass diese konstante, selbst verursachte Ablenkung unsere Konzentrationsfähigkeit unter die eines Goldfisches sinken lässt.

    Gegen Handynacken und Co.: Abstand lohnt sich

    Bei so viel Präsenz von Smartphone und Internet tut uns ein bewusster Umgang mit der allgegenwärtigen Elektronik gut. Von etwas Abstand zum Smartphone profitieren unsere Augen, für die die ständige kurze Blickdistanz enorm anstrengend ist. Auch unser Nacken, den der ständig nach unten gerichtete Blick extrem belastet, bekommt Entlastung. Und nicht zuletzt: Schlafen geht auch besser ohne Smartphone, denn das Displaylicht kurz vor dem Zubettgehen hält wach.

    Bewusster durch den Alltag

    Technische Fortschritte lassen sich nicht rückgängig machen. Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche, Smartphones und die damit verbundenen Technologien verschwinden nicht aus unserem Alltag. Das sollen sie auch gar nicht, denn zweifelsohne sind sie größtenteils Hilfsmittel, die uns den Alltag erleichtern können. Klar ist aber auch, dass wir es vor 20 Jahren ohne Handy, Smartphone und Internet schafften, mit Freunden in Kontakt zu bleiben, Reisen zu buchen und uns in fremden Städten zurechtzufinden. Wir haben einen Einfluss darauf, wie weit wir unseren Alltag von Internet und Smartphone bestimmen lassen.

    Achtsamkeitsübungen können helfen, die eigene Konzentrationfähigkeit zu fördern und dabei bewusst auf ein konstantes Multitasking zu verzichten. Nicht auf jede Text-, Chat- oder Push-Nachricht muss sofort reagiert werden, denn oft lenkt das von der eigentlichen Tätigkeit ab. Ebenfalls möglich: Das Smartphone einfach mal Zuhause lassen oder sogar zu bestimmten Zeiten ganz abschalten. Sie werden merken: Viele Situationen lassen sich intensiver ohne das Smartphone erleben. Es gilt, wie in vielen Lebensbereichen auch dabei, das richtige Maß zu finden.

    Achtsamkeit

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