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Podcast Februar 2017 - Ständig online?

Das Internet ist eine tolle Sache und macht ganz viel im Leben leichter. Wie bei allem kommt es aber auch hier auf die richtige Dosis an. Denn wenn wir ständig online sind, fördert das den Stress und macht es uns schwerer, abzuschalten. Für den Februar-Podcast sprachen wir darüber mit Dr. Iris Hauth, Präsidentin der DGPPN, der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, und Ärztliche Direktorin im Alexander St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee.

Podcast Februar 2017 - Ständig online?

Das Internet ist eine tolle Sache und macht ganz viel im Leben leichter. Wie bei allem kommt es aber auch hier auf die richtige Dosis an. Denn wenn wir ständig online sind, fördert das den Stress und macht es uns schwerer, abzuschalten. Für den Februar-Podcast sprachen wir darüber mit Dr. Iris Hauth, Präsidentin der DGPPN, der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, und Ärztliche Direktorin im Alexander St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee.

MP3, 4,58 MB, Transkript Podcast Februar 2017 - Ständig online? (TXT, 9,16 kB)

Das Thema

Kennen Sie das auch? Morgens nach dem Aufwachen geht der erste Blick auf das Smartphone. Nach dem Wetterbericht schauen, kurz checken, was sich bei Facebook getan hat, vielleicht einen Guten-Morgen-Gruß bei WhatsApp abschicken und die E-Mails überprüfen. Bei der Arbeit dann den ganzen Tag am Bildschirm sitzen und online sein. Abends beim Sport ist der Fitness-Tracker dabei, der mir sagt, mit welcher Herzfrequenz ich gerade trainiere. Wer sich hier wiedererkennt, der ist ständig online – von morgens bis abends. Und das kann gefährlich werden:

Ständig online, immer erreichbar und dadurch nur ganz selten wirklich zur Ruhe kommend. Sozusagen immer im Standby-Modus, genau wie die Geräte um uns herum. So sieht für viele von uns der Alltag aus. Dr. Iris Hauth ist Präsidentin der DGPPN, der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, und Ärztliche Direktorin im Alexander St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee. Sie beschreibt die negative Seite der modernen Arbeitswelt:

Das sind immer komplexere Prozesse. Es wird höhere Flexibilität vorausgesetzt und es gibt größeren Zeitdruck. Das Problem am Arbeitsplatz ist, dass auch oft nicht getrennt wird zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Viele machen auch gar keine Pausen mehr am Arbeitsplatz und sind immer online. Das führt dann zu Schlechter-Abschalten-können, Freizeit nicht einhalten, der Abstand zum Beruf wird nicht eingehalten und dadurch werden die Erholungszeiten beeinträchtigt.

Die Belastungen bei der Arbeit sind nur die eine Seite. Hinzu kommt der Effekt, dass viele von uns auch in der Freizeit kaum noch auf ihre "kleinen Begleiter" wie Smartphones oder Trackingarmbänder verzichten wollen. Doch, wenn es zu viel wird, dann kann es gefährlich werden: Auf der anderen Seite natürlich auch Gefahren, denn wer sowieso schon einsam ist, der kann sich im Internet beschäftigen. In einer Scheinwelt Kontakte haben aber die echten Kontakte in der realen Welt auch vernachlässigen. Auch da kann Druck entstehen: Ich muss immer informiert sein. Ich muss immer über WhatsApp oder Facebook im Fluss der Informationen sein. Da kann Druck entstehen und man kann sich gar nicht mehr auf sich selbst konzentrieren, keine Muße mehr zu haben, sondern immer mit Smartphone oder im Internet unterwegs zu sein.

Und zu viel Druck erzeugt Stress. Und zu viel Stress macht krank, wie Dr. Iris Hauth beschreibt: Stress ist ja grundsätzlich nichts schlechtes, sondern Stress aktiviert den Körper und das Gehirn. Aber wenn Stress dauern da ist, dann kommt es zu chronischen Stress und damit auch zu chronischen Veränderungen im Körper. Verschiedene Hormone werden vermehrt ausgeschüttet und das kann auf Dauer zu Schlafstörungen, zu Konzentrationsstörungen, zu depressiven Verstimmungen und Angststörungen führen. Aber auch zu Bewältigungsstrategien, die keine sind. Zu Suchtverhalten, also dann abends einen zu trinken, um runter zu kommen oder andere Suchtstoffe zu nehmen, um zu entspannen.

Und so kann ein Teufelskreis entstehen, aus dem Betroffene nur schwer herauskommen. Der Begriff "Burnout" ist mehr als nur ein Modewort:

Was aber mehr geworden ist, das sind die Risikozustände - Stichwort Burnout. Dazu gehört eben auch nicht Abschalten können, nicht Schlafen können, sich überfordert und erschöpft fühlen. Das ist ein Zustand, der ein Risikofaktor ist. Aus dem sich auf Dauer Depressionen, Angststörungen und psychosomatische Störungen entwickeln können. Im körperlichen Bereich so etwas wie Kreislaufstörungen, Hörsturz und viele andere Krankheiten.

Mit einem Beispiel aus der Praxis beschreibt Dr. Hauth den Zusammenhang der Belastungen des modernen Arbeitsalltages mit psychischen Erkrankungen. Es handelt sich dabei um einen 28-jährigen, erfolgreichen Unternehmer, der sich mit einem Startup im Softwarebereich selbstständig gemacht hat. Nach eineinhalb Jahren mit 80-Stunden-Wochen und enormer Verantwortung war er am Ende seiner Kraft:

Begonnen haben seine Symptome mit Schlafstörungen, die er versucht hat mit Trinken in den Griff zu kriegen. Dann merkte er, dass er sich zunehmend bei den täglichen Arbeiten nicht mehr konzentrieren konnte. Dann kamen verschiedene körperliche Beschwerden, die untersucht wurden, aber keine körperlichen Grundlagen hatten. Dann fühlte er sich zunehmend erschöpft. Auch an den Wochenenden oder in Kurzurlauben konnte er sich nicht mehr erholen. Dann kamen depressive Symptome dahingehend, dass er alles infrage stellte und sogar lebensmüde Gedanken entwickelte. Ihm konnte geholfen werden. Nach monatelanger Behandlung und Therapie hatte er die schlimmsten Symptome im Griff. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, auch auf Ruhephasen und Entspannung zu achten. Und vielleicht einfach mal alle Geräte auszuschalten.

Tipp des Monats

können, auch an den Wochenende nicht wirklich Abschalten zu können. Und sich nach dem Wochenende oder sogar nach eine Urlaub nicht erholt zu fühlen. Es wird einem alles zu viel, man kann sich nicht mehr konzentrieren. Dann wird man vielleicht auch körperlich infekt-anfälliger, man bekommt Kopfschmerzen, auch Schlafstörungen sind ein wichtiges Symptom.

Es droht ein Burnout und vielleicht sogar eine Depression. Ist es erst einmal so weit, dann hilft nur eine langfristige Therapie.

Ein Verhaltenstherapie-Programm, was man mit Patienten dann durchgeht. Es gibt einige Kliniken in Deutschland, die darauf spezialisiert sind. Aber es gibt auch Suchtberatungsstellen in allen Städten, die auch eine Beratung in diese Richtung machen. Auf jeden Fall sollte man sich Hilfe holen. Es ist fast unmöglich, dass man alleine einen Ausweg findet.

Falls Sie zu denen gehören, die am Arbeitsplatz den ganzen Tag am Computer sitzen müssen, dann achten Sie auf ihre Gesundheit. Dazu gehört richtiges Sitzen genau so wie richtiges Sehen. Und bewegen Sie sich so oft es geht. Stehen Sie zwischendurch auch mal auf und lassen Sie die Arme kreisen. Egal was Sie machen, Hauptsache ihr Körper bekommt Bewegung.

Sie können auch auf dem Weg in die Kaffeeküche ein wenig in den Knien federn oder ein paar Boxbewegungen machen oder herumhüpfen. Dann haben die Kollegen auch was zu lachen. Und lachen ist ja gesund.

Bleiben Sie gesund und machen Sie es gut - tschüss.

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