Podcast Juni 2015 - Schmerzen

Viele Millionen Menschen klagen über Schmerzen. Wenn die Ursache klar ist, lassen sie sich meist gut behandeln. Aber in vielen Fällen sind die Ursachen des Schmerzes nur schwer herauszufinden. Schmerz ist sehr komplex und auch Seelenschmerzen machen Körperschmerzen. In unserem Podcast erzählen wir, wo Patienten dann Hilfe finden können.

Podcast Juni 2015 - Schmerzen

Ausführliche Informationen zum Thema Schmerzen liefert Ihnen unser Podcast.

MP3, 4,54 MB, Transkript Podcast Juni 2015 - Schmerzen (TXT, 8,75 kB)

Das Thema

Ulrike Schmidt – wir haben ihren Namen geändert, weil sie nicht erkannt werden will – erlitt von zehn Jahren einen Hexenschuss. Die akuten Folgen konnten behandelt werden. Was aber blieb, war der Schmerz: Mal mehr, mal weniger. Mal ist es eine enorme Berührungsempfindlichkeit an den Beinen, mal sind es große Rückenschmerzen, mal ein stechender Schmerz am Gesäß. Sie war bei acht verschiedenen Ärzten und keiner konnte helfen. Sie lag im MRT und war bei einem Schmerzzentrum. Alles ohne Erfolg. Ulrike Schmidt ist Anfang 50, hat Familie, ist beruflich engagiert und führt ein ganz „normales“ Leben. Wenn da nicht die Schmerzen wären:

Ulrike Schmidt ist kein Einzelfall. Viele Millionen Menschen klagen über Schmerzen. In vielen Fällen sind die Ursachen des Schmerzes nur schwer herauszufinden. Thomas Isenberg ist Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft. Er erklärt, oft würden körperliche und seelische Ursachen zusammenkommen:

Schmerz ist immer sehr komplex. Richtig ist aber, auch Seelenschmerzen machen Körperschmerzen und ziehen Körperschmerzen nach sich. Beispielsweise ist es so, dass beim Mobbing auch die Schmerzareale im Gehirn aktiviert sind, die normalerweise bei Schmerzen auch aktiv sind. Insofern gibt es sehr viele Menschen, bei denen die körperliche Ursache nicht vorhanden ist oder erst einmal nicht gegeben ist. Aber es sind die Rahmenbedingungen für Schmerzverarbeitung losgetreten.

Häufig kommen Rücken-, Kopf-, Gelenk- oder Nervenschmerzen vor. Kann dem Schmerz eine eindeutige Ursache zugeordnet werden, etwa eine Operationswunde oder eine Entzündung, dann kann meistens ein Arzt helfen. Schwierig wird es bei chronischen, also lang anhaltenden, Schmerzen:

Die typische Schmerzbiografie ist schon sehr komplex. Die Menschen irren häufig monatelang durch das Gesundheitssystem. Bevor sie bei einem adäquaten Behandler landen. Das hängt damit zusammen, dass es wichtig ist, gleich am Anfang eine ausführliche Diagnostik durchzuführen. Es gibt dabei Instrumente wie einen Schmerzfragebogen, wo man feststellen kann, was für eine Art der Schmerz ist, wie intensiv er ist, wann er auftritt. Anhand einer guten Diagnostik kann man dann auch eine gute Therapie entwickeln.

Doch oft fehlt den behandelnden Ärzten das Spezialwissen. Dann sind etwa Hausärzte oder Orthopäden überfordert. Extra ausgebildete Spezialisten können helfen:

Das ist aber häufig nur dann möglich, wenn der Behandler viel Zeit für die Patientinnen und Patienten hat. Insofern ist es wichtig, mehr spezialisierte Schmerztherapeuten in Deutschland zu haben. Diese für den Patienten zu finden, ist häufig eine Irrfahrt durch den Dschungel des Gesundheitssystems und es dauert fünf bis sechs Jahr bis man dann endlich bei einem guten Therapeuten angekommen ist.

Schmerzpatienten gehen häufig von Arzt zu Arzt, in der Hoffnung endlich Hilfe zu finden. Leider wird, aus Sicht von Thomas Isenberg, zu schnell gespritzt und operiert: Häufig ist es nicht ausreichend, teilweise sogar falsch, einfach eine Spritze bei Rückenschmerzen zu setzen oder drauf los zu operieren. Es gibt viele Fehlanreize im Gesundheitssystem, dass Patienten in solche Krankheitskarrieren hineingedrängt werden. Die Deutsche Schmerzgesellschaft legt Wert auf einen solchen interdisziplinären Ansatz. Dass man im Vorfeld anschaut, was sind die individuellen Voraussetzungen, die der Mensch mitbringt. Was sind die Verhältnisse, die psychischen Belastungen, die da sind. So können teilweise die Operationen unnötig sein.

Spezielle Schmerzzentren verbinden die unterschiedlichen Disziplinen und kümmern sich. Das Besondere an einem guten Schmerzzentrum wäre, dass hier der Patient von Anfang an von mehreren Professionen betrachtet wird, schon bei der Anamnese. Also, Psychologen mit Ärzten mit Physiotherapeuten unterhalten sich mit dem Patienten. Und dann gemeinsam eine Diagnostik durchführen und überlegen, was könnte die beste Strategie sein, um zu einer Therapie zu kommen. Eine Spitze setzen alleine ist häufig die falsche Therapie.

Doch nicht alle Schmerzzentren sind auf dem gleichen hohen Niveau. Die Deutsche Schmerzgesellschaft fordert daher einheitliche Standards für Schmerzzentren, damit ein Patient bei der Suche nach Hilfe deren Qualität schnell erkennt.

Tipp des Monats

Eigentlich ist Schmerz etwas Positives. Als Achtungssignal warnt er den Körper vor Gefahren. Wird er allerdings chronisch, kommt über einen langen Zeitraum immer wieder, hat er diese Funktion verloren. Dann wird er selbst zur Krankheit. Wo gibt es Hilfe und wie können Patienten ein „gutes“ Schmerzzentrum erkennen?

Meist gehen wir mit Beschwerden oder Schmerzen zu erst zu unserem Hausarzt. Kann er allerdings gegen lang anhaltende Schmerzen nichts ausrichten, dann sollten Patienten gezielt nachfragen. So der Tipp von Thomas Isenberg, dem Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft:

Er sollte seinen Arzt fragen, ob er nicht einen Spezialisten kennt, der sich besonders in der Schmerztherapie auskennt. Vielleicht auch bei einer Uniklinik, an der eine Schmerzambulanz vorhanden ist, mal schauen, wie es dort aussieht. Teilweise haben die Krankenkassen auch gute Informationen. Insgesamt ist es notwendig, dass Schmerzpatientinnen und –Patienten nicht resignieren, sondern wissen, es kann besser werden, wenn man denn eine gute Behandlung hat.

Oft können spezialisierte Schmerzzentren helfen. Dort arbeiten Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten Hand in Hand. Aber auch in anderen Fällen – unabhängig von chronischen Schmerzen – können sich Patienten informieren:

Wer als Patient planbare Operationen in Krankenhäusern macht, könnte schauen, ob sein Krankenhaus besondere Zertifizierungen hat. Es gibt beispielsweise im Akut-Schmerzbereich Initiativen, die sorgen dafür, dass das Krankenhaus auch nach einer Operation die Schmerzversorgung gut organisiert. Über die Hälfte der Patienten bekommen nach einer Operation nicht die notwendige Schmerztherapie, die fachlich gesehen nötig wäre. Vorsicht ist geboten, wenn Schmerzmedikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Zum einen kann es Nebenwirkungen geben. Und: Schmerzmedikamente sind teilweise auch nötig. Andererseits gibt es auch die Situation, dass Patienten zu viel oder die falsche Medikation bekommen. Insofern zeichnet sich eine gute Schmerztherapie auch dadurch aus, dass bei einem guten Schmerzzentrum erst einmal schaut, wie ist die Medikation überhaupt richtig. Es gibt viele Situationen, wo Patienten erst einmal neu eingestellt werden müssen bzw. erst einmal quasi entgiftet werden.

In vielen Fällen ist es für Schmerzpatienten angebracht, genau Buch zu führen über den Schmerz. So können wichtige Details festgestellt werden. Noch einmal Thomas Isenberg: In einem Schmerztagebuch erfassen sie selber als Patient, wann sie welche Schmerzen hatten und wie stark diese waren. Und ob an diesem Tag etwas Besonderes gewesen ist. So sehen sie im Zeitverlauf selber, wie sie den Schmerz wahrnehmen und können mit ihrem Therapeuten die Behandlung vielleicht noch verbessern.

Es ist oft schwierig den richtigen Arzt zu finden. Es kann monatelang oder gar mehrere Jahre dauern, bis die passende Behandlung anschlägt. Doch ist diese gefunden, dann kann auch Schritt für Schritt eine Verbesserung der Situation eintreten.

Jetzt haben wir schon Juni und der Sommer steht vor der Tür. Wenn die Sonne scheint und es richtig heiß wird, dann ist ausreichend Trinken noch wichtiger als sonst. Empfohlen werden eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit. Wenn Sie zum Beispiel im Büro arbeiten, dann stellen Sie sich doch einfach eine Flasche Mineralwasser neben ihren Computer. So werden Sie ans Trinken erinnert.

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Sommeranfang. Genießen sie die Sonnenstrahlen. Am liebsten in der Natur. Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund. Tschüss.

Zum Seitenanfang