Podcast Mai 2015 - Krankenhauskeime

Sie heißen zum Beispiel MRSA oder auch VRE – es gibt viele multiresistente Krankenhauskeime. Sie lauern in Krankenhäusern auf Türklinken, an Händen oder am Essenstablett. Das Gefährliche an ihnen ist, dass sie gegen Antibiotika resistent sind – sie sind also nur sehr schwer zu bekämpfen. Was das für Patienten bedeutet und wie man sich schützen kann, erklärt in unserem neuen Podcast Achim Beißel, Bereichsleiter stationäre Versorgung bei der BIG.

Podcast Mai 2015 - Krankenhauskeime

Ausführliche Informationen zum Thema Krankenhauskeime liefert Ihnen unser Podcast.

MP3, 4,59 MB, Transkript Podcast Mai 2015 - Krankenhauskeime (TXT, 8,77 kB)

Das Thema

Sie heißen MRSA oder auch VRE oder ESBL – das sind die Abkürzungen der Namen für multiresistente Krankenhauskeime. Man kann sie überall in Krankenhäusern finden: An Türklinken, an Händen, an Instrumenten wie etwa einem Stethoskop, am Essenstablett und an Handys. Das Gefährliche an ihnen ist, dass sie gegen Antibiotika resistent sind – sie sind also nur sehr schwer zu bekämpfen. Was das für Patienten bedeutet, hören Sie jetzt:

„Tote Babys waren mit Krankenhauskeimen infiziert“ – Meldungen wie diese führen bei Krankenhaus-Patienten zu Unsicherheit und Sorgen. Diese sogenannten „Nosokomialen Infektionen“ entstehen durch den Aufenthalt in einer Klinik. Achim Beißel ist Bereichsleiter Stationäre Versorgung bei der BIG und hat täglich mit Krankenhäusern zu tun. Er nennt aktuelle Zahlen: Nach den offiziellen Zahlen, die sagen immer das eine und dann gibt es eine Dunkelziffer, sagt man, dass rund 400.000 bis 600.000 Menschen pro Jahr in Deutschland an diesen Infekten erkranken. Und rund 5 bis 10 Prozent sterben daran. Also man hat so 10.000 bis 15.000 Tote pro Jahr durch diese Krankheitserreger zu beklagen.

Die Dunkelziffer liegt bei zirka 200.000 Toten pro Jahr durch Krankenhauskeime. Eine Zahl, die allerdings nicht bewiesen ist. Das Problem: Diese Keime sind multiresistent, also gegen Antibiotika immun. Das Gefährliche an ihnen ist, dass sie vom Grundsatz her mit dem einzigen Arzneimittel, das sie bekämpfen sollte, eine Partnerschaft eingehen. Das heißt, man kann diese Keime nicht stoppen, nicht behandeln. Sie fressen sich im Grunde durch den Körper durch.

Also, selbst Antibiotika helfen nicht bei dieser Art von Infektionen. Daher gilt es, diese überhaupt zu verhindern. Und es gibt ein Mittel dagegen. Eigentlich sogar ein einfaches: Hygiene. Das ist das Zauberwort. Eine gute Hygiene verhindert die Ausbreitung dieser Infektionen. Es muss also irgendwo einen Infektionsherd geben. Und das Erstaunliche ist, diese Infektionsherde sind in der Regel die Hände der Pfleger und die Hände der Ärzte. Aber auch viele andere Infektionsherde sind in einem Krankenhaus vorhanden: Türklinken, Essensbesteck, Bettrahmen oder auch Spielzeug für Kinder. Aus Sicht von Achim Beißel ist eine Maßnahme die allerwichtigste:

Die Hände desinfizieren. Das ist im Grunde eine alte Hausfrauenweisheit, sich die Hände gründlich waschen, desinfizieren. Und beispielsweise in den niederländischen Krankenhäusern funktioniert es so, wer behandelt wird, sieht, dass bei der Chefarztvisite hinter dem Chefarzt eine Krankenschwester oder ein Hygienebeauftragter geht, der ein Desinfektionsmittel in der Hand hat. Dessen einziger Job ist es, darauf zu achten, dass sich alle Ärzte und alle Pfleger, die an der Begehung teilnehmen, sich nach dem Patientenkontakt sofort die Hände desinfizieren. So dass beim nächsten Kontakt alle klinisch saubere Hände haben.

In den Niederlanden wird dieses Problem also stärker beachtet. Ursachen für die teilweise mangelnde Hygiene in deutschen Krankenhäusern gibt es viele. Die wichtigste ist allerdings der Mangel an Personal:

Ich denke, es ist ein bunter Strauß von allem. Zu wenig Zeit. Es wird immer diskutiert, dass besonders das Pflegepersonal sich um zu viel oder um zu viele Patienten kümmern muss. Dadurch werden bestimmte Zeitfenster immer kleiner. Und dann passiert es schon einmal, dass man es vergisst oder es unterlässt, weil man glaubt, da kann nichts passieren. Dann fällt die notwendige Desinfektion aus Zeitmangel aus.

Inzwischen wird das Problem auch in der Politik wahrgenommen. Erst im März hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe einen 10-Punkte-Plan im Kampf gegen multiresistente Krankenhauskeime vorgelegt. Danach gibt es zum Beispiel eine Meldepflicht bei auftretenden Fällen, mehr Fortbildung des Personals und einen Ausbau der Stellen für Hygienebeauftragte. Deutlich wird die große Aufmerksamkeit für das Thema. Ein wichtiger Schritt, um die Bedrohung in Zukunft in den Griff zu bekommen.
 

Tipp des Monats

Die Gefahr für Krankenhaus-Patienten ist real. Doch es gibt einiges, was jeder tun kann. Zum einen bevor man in ein Krankenhaus muss, zum Beispiel bei geplanten Aufenthalten. Und zum anderen, wenn man schon drin ist. Aber auch Besucher können dazu beitragen, das Ansteckungsrisiko gering zu halten.

Multiresistente Krankenhauskeime führen in jedem Jahr zu vielen hunderttausend Infizierten. Ärzte, Pfleger und alle Mitarbeiter im Krankenhaus können ihren Teil dazu beitragen, damit die Gefahr möglichst gering wird. Stichwort: Hygiene. Aber auch Patienten haben die Möglichkeit, sich zu schützen. Achim Beißel, er ist Bereichsleiter Stationäre Versorgung bei der BIG, hat einige Tipps. Zum Beispiel bei länger geplanten Aufenthalten. Da gilt es Informationen zu sammeln:

Im Krankenhaus. Also, ich würde nachfragen. Am besten auch schriftlich dieses Thema ansprechen. Ich würde mich schlau machen, ob es einen Hygiene-Beauftragten gibt. Den würde ich dann auch anfragen, wie die Hygiene-Situation, die Infektions-Situation in diesem Krankenhaus ist. Ich würde die Presse durchleuchten, mich im Internet schlau machen, ob es aktuelle Berichte zu diesem Krankenhaus gibt. Man kann nicht alles verhindern, aber man kann sich schon schlau machen. Auch im Freundes- und Bekanntenkreis fragen, ob es Erfahrungen zu diesem Krankenhaus gibt.

Natürlich kann man sich auch bei seiner Krankenkasse erkundigen, ob es zu einem bestimmten Krankenhaus Auffälligkeiten gibt. Anders ist die Lage für Patienten, die plötzlich und schnell eingeliefert werden, beispielsweise wegen eines Notfalls. Aber dann können sich vielleicht Angehörige oder Freunde schlau machen. Ist man erst einmal als Patient im Krankenhaus, kann man auch einiges tun:

Als Patient kann man dazu beitragen, da man selbst Bakterienträger ist. Wenn man von der Toilette kommt, dass man sich gründlich die Hände wäscht, oder dass man sich desinfiziert. Dass man aufpasst, es sind ja nicht nur die Ärzte oder Pfleger, die von einem Patienten zum anderen gehen, man selbst geht vielleicht auch ins Nachbarzimmer, um jemanden zu besuchen. Auch hier gilt: Ich muss mir die Hände desinfizieren und darauf achten, möglich wenig Kontakte zu kranken Patienten zu haben.

Nicht nur für Patienten ist Hygiene oberstes Gebot. Auch für Besucher eines Krankenhauses: Wer als Besucher ins Krankenhaus geht, muss auch aufpassen. Sich die Hände desinfizieren, das ist wichtig. Ich kann ja auch von außen Bakterien mit ins Krankenhaus bringen. Und einfach auch die Augen im Krankenhaus aufmachen. Wenn ich sehe, dass da vielleicht Essensreste schon mehrere Stunden stehen, weil ein Patient keinen Hunger hat und es nicht abgeholt wird. Alles was mit Hygiene zu tun hat. Dass man dann vielleicht die Stationsschwester anspricht und sagt, kann es sein, dass das eine oder andere beim Wegräumen vergessen wurde.

Höflich nachfragen sollte kein Problem sein. Diese Krankenhauskeime sind so gefährlich, weil sie gegen Antibiotika resistent sind. Daher kann man sie nicht bekämpfen. Das liegt unter anderem daran, dass häufig Antibiotika von Ärzten verschrieben werden. Vielleicht auch, wenn es nicht unbedingt nötig ist:

Gerade beim Thema Antibiotika. Das ist ein stark wirksames Medikament. Ich muss wissen, je öfter ich es für Bagatellfälle einsetze, desto schneller verliert es die Wirkung oder kann es die Wirkung verlieren. Also auch hier das kritische Gespräch mit dem Arzt suchen.

Es gibt also einige Möglichkeiten, sich als Patient vor der Gefahr durch Krankenhauskeime selbst zu schützen.

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