Podcast Oktober 2015 - E-Health

Die moderne Technik macht vieles möglich, was noch vor Jahren unmöglich oder doch ganz weit entfernt schien. Das Zauberwort heißt „Digitalisierung“. Immer stärker werden viele Bereiche unseres Alltags digitalisiert. Die Arbeitswelt sowieso, aber auch in der Schule, beim Autofahren oder beim Musikhören – überall wird digitale Technik genutzt. Smartphones und Computer sind längst alltägliche Gebrauchsgegenstände.

Da ist es nur logisch, dass auch im Gesundheitswesen die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden: Natürlich bei der Diagnose und der Therapie. Aber auch bei der Kommunikation und dem Datenaustausch zwischen allen Beteiligten. Der Oberbegriff dazu lautet „E-Health“. Mehr dazu in diesem Podcast.

Podcast Oktober 2015 - E-Health

Das Gesundheitswesen soll digitaler werden - deswegen wird gerade ein E-Health-Gesetz erarbeitet. Es soll zum Jahresbeginn 2016 in Kraft treten. Welche Veränderungen bringt es? Darüber berichten wir in unserem Podcast.

MP3, 4,61 MB, Transkript Podcast Oktober 2015 - E-Health (TXT, 9,87 kB)

Das Thema

Haben Sie auf ihren Smartphone auch die eine oder andere App, die mit ihrer Gesundheit zu tun hat? Eventuell eine App mit Tipps für Fitness-Übungen. Oder zum Kalorien zählen, oder als Schrittzähler, oder zur Kontrolle ihres Gewichtes und Blutdruckes. Dann nutzen Sie bereits die Vorteile von E-Health. Hinter diesem Begriff verbirgt sich aber viel mehr. Was haben Ärzte und Patienten davon, wie kann die Pharmaindustrie E-Health nutzen und wie profitieren die Krankenkassen?

Die Bundesregierung plant ein E-Health-Gesetz, das die digitale Vernetzung besser organisieren und voranbringen soll. Dabei soll die Position des Patienten gestärkt und der Datenschutz garantiert werden. Das ist ein wichtiger Schritt, meint Peter Kaetsch, der Vorstandsvorsitzende der BIG, mit einem Blick auf die elektronische Gesundheitskarte. Dieser kommt im Gesetz eine große Bedeutung zu:

Was fehlt in der Welt von 2015: die vernetzte Infrastruktur. Das ist für uns ganz wichtig beim E-Health-Gesetz, das dort jetzt mit Druck diese Infrastruktur entwickelt wird. Der zweite Punkt sind nutzenstiftende Produkte und Dienstleistungen. Und die Karte, das ist ein Schlüssel. Es geht darum, mit diesem Schlüssel die Welt zu Applikationen zu öffnen. Es soll und muss ein Schlüssel sein zu Dienstleistungen und Produkten, die man künftig sinnvoll einsetzen kann.

Die elektronische Gesundheitskarte hat ja schon die alte Versichertenkarte abgelöst. Nach und nach wird sie mit weiteren Anwendungen ergänzt.

Aber auch abseits der Gesundheitskarte werden im Gesundheitswesen digitale Daten ausgetauscht und für eine angemessene Versorgung der Patienten genutzt. So zum Beispiel bei der Planung und Organisation etwa von Informationskampagnen. Roland Nagel ist Geschäftsführer der Gesundheitsforen Leipzig. Er beschreibt die Auswertung von Krankheitsdaten in einer bestimmten Region:

Wir verteilen ja die Bevölkerung in Alters- und Geschlechtsgruppen. Wir sehen auf der linken Seite die Frauen, auf der anderen Seite die Männer. Eine relativ normale Verteilung wie wir sie aus der Demografie kennen. Können dort auch sehen, wie sind entsprechende Auffälligkeiten. Wenn ich jetzt ein Krankheitsbild herausnehme, die MS mit Medikation. Dann habe ich eine Selektion von 71 betroffenen Versicherten. Wir sehen, dass die Frauen überproportional, was auch normal ist, mehr betroffen sind. Und ich dann auch Fragen stellen kann und alters- und geschlechtsspezifisch meine Initiativen organisieren kann.

So können nach der Datenanalyse die passenden Zielgruppen ganz genau erreicht werden. Ein weiteres Beispiel für den Vorteil, den die Nutzung digitalisierter Daten bringt, ist der Vergleich verschiedener Therapien:

Ein Beispiel aus dem Rheumabereich, wo wir versuchen, zwei verschiedene Rheumatherapien zu vergleichen. Das Ergebnis sieht dann so aus, wo man sagt, welche Auswirkungen habe ich jetzt im Bereich der Unfälle, im Bereich von Diagnosetagen, Krankengeldtagen, Krankengeldfällen. So dass ich in der Analyse sehen kann, dass es Unterschiede gibt. Aber teilweise ist es relativ ähnlich. E-Health dient in diesen Fällen der Einordnung von Patientengruppen und dem Vergleich der Wirkung von Therapien. Doch es sind sehr viel individuellere Anwendungen denkbar, bei der die digitale Vernetzung genutzt wird. So zum Beispiel beim Gesundheitscockpit von arvato Healthcare, einem Dienstleister im Gesundheitsbereich. Dieses Internetangebot dient der Prävention, kann vom Versicherten an die eigenen Anforderungen angepasst werden. Dazu Jens Härtel von arvato: Ein weiterer Bestandteil dieses Tools – alle Dinge sind hier modular verfügbar, so dass ich bestimmte Dinge auch ausblenden kann, wenn ich sie nicht nutzen will – ist die Gesundheitsbox. Hier sind Empfehlungen, die von meinem Coach ausgesprochen werden, wo zum Beispiel Aktivitäten in meiner Nähe eingespeist werden: wo Maßnahmen erwähnt werden können. Ob das eine Yoga-Gruppe ist oder ein Fitness-Studio. Ob das eine entsprechende Initiative ist, ob das eine Selbsthilfegruppe ist. Hier kann ich das abbilden.

Individuelle Betreuung für die ganz persönlichen Bedürfnisse. Sei es nun bei Gewichtsproblemen oder Stress. So auch bei der Video-Sitzung mit einem Coach. Und das kann sich bei einem Gespräch zwischen Versicherten und Coach so anhören:

Patient: Eine halbe Stunde Pause ja, aber dann geht es schnell zum Mittagessen. Das heißt, aus diesem Hamsterrad mal kurz zu entschwinden und mal kurz zur Ruhe zu kommen, das fällt mir gerade sehr schwer. – Coach: Da gibt es ja Entspannungstechniken, wir haben Atemtechniken, dass man herunterfahren kann. Eine Methode bei der du einatmest durch die Nase, dabei alle Muskeln am Körper anspannst. Du hältst zwei Sekunden Atmung und Spannung an. Atmest dann durch den Mund aus und entspannst wieder. Das Ganze mit vier bis fünf Atemzügen wiederholen. – Patient: OK.

Das Beispiel zeigt: Die sinnvolle Anwendung von E-Health kann dem Patienten von Nutzen sein. Und dem Patienten kommt eine aktivere Rolle als bisher zu.

Tipp des Monats

Die elektronische Gesundheitskarte hat die alte Versichertenkarte abgelöst. Nach und nach sollen dort mehr Anwendungen eingefügt werden. Zum Beispiel Notfalldaten, die bei einem Unfall schnell Auskunft geben oder eine Übersicht über die Medikamente, die man einnimmt. Ein entscheidender Punkt dabei ist, dass der Versicherte über seine Daten selbst bestimmen kann.

Die elektronische Gesundheitskarte – kurz eGK - bietet viele Chancen. Zum Beispiel den Einsatz nützlicher Anwendungen oder den schnellen Informations-Austausch zwischen Ärzten. Doch bisher werden diese Möglichkeiten nicht genutzt. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zu einem E-Health-Gesetz soll das ändern. Grundsätzlich sei das Gesetz eine gute Sache, findet Peter Kaetsch, der Vorstandsvorsitzende der BIG:

Es treibt die Digitalisierung im Gesundheitswesen voran. Da müssen wir auch nachliefern, europäische Nachbarn sind weiter. Ärzte und Zahnärzte sollen die Stammdaten elektronisch aktualisieren. Das ist eine tolle Sache. Der Medikationsplan verhindert Wechselwirkungen und den Abruf von Notfalldaten halten wir auch für sinnvoll. Aber es müssen die richtigen sein. Also nicht um jeden Preis möglichst viele Daten sammeln, sondern nur die wirklich nützlichen. Doch das Ganze hat seinen Preis:

Die eGK hat 1,4 Milliarden Euro verschlungen. Aufgrund der Gesetze können daraus vier Milliarden werden. Die Kosten tragen die Krankenkassen und damit die Versicherten. Die Vergütungsanreize für Ärzte sind überflüssig. Ärzte profitieren ja von den effizienten Kommunikationsstrukturen. Diese hohen Ausgaben sind eine Investition zum Vorteil der Versicherten. So wird er umfangreicher über Krankheitsbilder und Therapien informiert:

Die Chancen der elektronischen Gesundheitsakte: Der Patient ist besser über Diagnose und Therapie informiert. Er kann seine eigenen Entscheidungsprozesse in die Hand nehmen, er kann eingebunden werden. Er ist nicht mehr nur dabei, sondern er sitzt am Steuerrad. Er entscheidet auch, ob er zusätzlich einen Arzt aufsucht. Der mündige Patient hat die Hoheit über seine Gesundheitsdaten. Er entscheidet, ob sie überhaupt genutzt werden. Und wenn ja, wer sie nutzt. Der „mündige Patient“ mit Hilfe der eGK. Peter Kaetsch betont allerdings, dass es dafür auch Grenzen gibt:

Die Risiken: Informationen über seinen Gesundheitszustand helfen nur, wenn er sie auch verarbeiten kann. Hier liegen natürlich Grenzen. Dr. Google hilft jemandem persönlich auch nicht immer. Der Gang und der Rat vom Arzt ist immer erste Wahl. Man wird natürlich als mündiger Patient besser mit den Antworten seines Arztes umgehen können, man kann vielleicht auch gute Fragen stellen.

Und dann ist da noch der Datenschutz. Es soll technische Lösungen geben, die gewährleisten, dass die medizinischen Daten der Versicherten umfangreich geschützt werden. Datenschutz ist wichtig und richtig. Er muss gerade bei Medizindaten absolut gewährleistet sein. Aber der Medikationsplan, als gutes Beispiel, sichert Leben. Es muss eben auch eine Lösung gefunden werden, um in den Genuss von Mehrwerten zu kommen und nicht einfach eine Tür verschlossen bleiben. Er darf also die Chancen der digitalen Medizin nicht einfach ausbremsen. Es muss abgewogen werden. So viel Datenschutz wie möglich. Und so viel Informationsaustausch wie nötig. Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Anwendungsmöglichkeiten der eGK ausgebaut werden.

Eines ist aber klar: Eine App sollte nicht den Gang zum Arzt ersetzen. Bei all den Vorteilen der Digitalisierung bleibt doch der Arztbesuch, wenn man krank ist, die beste Möglichkeit, wieder gesund zu werden.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund durch den Herbst kommen. Am besten ohne Erkältung, ohne Schnupfen. Die beste Erkältung ist übrigens die, die man gar nicht erst bekommt. Zur Vorbeugung hilft Vitamin C. Und das finden Sie besonders reichlich in Papaya oder Orange. Aber auch der jetzt erhältliche Rosenkohl oder Grünkohl ist ein prima Vitamin-C-Spender. Na dann, guten Appetit. Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund. Tschüss.

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