Podcast September 2015 - Faszien

Faszien bilden ein Netzwerk in unserem Körper. Sie umhüllen Organe, Knochen und vieles mehr. In der letzten Zeit schauen Mediziner und Physiotherapeuten mehr auf diese Strukturen. Funktionieren sie nämlich nicht mehr richtig, enthalten Risse oder Verdickungen, dann können dadurch Schmerzen und Beschwerden entstehen. Im Podcast erklären wir, was es mit den Faszien auf sich hat.

Podcast September 2015 - Faszien

Ausführliche Informationen zum Thema Faszien liefert Ihnen unser Podcast.

MP3, 4,60 MB, Transkript Podcast September 2015 - Faszien (TXT, 8,67 kB)

Das Thema

Viele von uns kennen Rückenschmerzen aus eigener Erfahrung. Wer viel am Schreibtisch sitzt und wenig Sport treibt, der ist besonders gefährdet. Rückenschmerzen können nämlich durch Bewegungsmangel und falsche Haltung verursacht werden. Und es können die Faszien eine Rolle dabei spielen, denn diese hauchdünne Bindegewebsstruktur ist anfällig. Sie kann verhärten, ihre Elastizität verlieren oder sogar einreißen: Faszien sind erst seit einigen Jahren in den Blickpunkt gerückt. Stefan Kosik ist Osteopath. Er arbeitet in der Abteilung für Osteopathie und Alternativmedizin der Rehabilitationstagesklinik Ortho- Mobile in Hattingen. Für ihn gehören die Behandlung und das Training von Faszien inzwischen zum Alltag:

Unter Faszien versteht man eine Bindegewebshülle allgemein. Man meint jegliche Bindegewebshülle im Körper. Die Umhüllung von Organen, die Aufhänge-Apparate von Organen, auch die Umhüllung der Knochen, die Knochenhaut. Das spielt sich auf verschiedenen Schichten, auf verschiedenen Ebenen des Körpers ab. Von daher bestehen Verbindungen zwischen einzelnen Körperbereichen über Faszien oder fasziale Ketten.

Diese Strukturen befinden sich im ganzen Körper. Am Herzen, der Leber, an den Knochen, sie umhüllen unsere Blutgefäße und das Knochenmark, jeden Muskel. Es gibt oberflächliche und tiefer gelegene Faszien. Doch welche Funktion haben sie eigentlich?

Faszien haben zum einen die Funktion des Schutzes. Sie schützen Muskeln und andere Organe, ein mechanischer Schutz. Aber auch ein Schutz vor Krankheitserregern, vor Infektionen. Aber auf der anderen Seite verbinden Faszien auch viele Strukturen miteinander. Zum Beispiel Strukturen vom Rücken und vom Becken bis hinunter zum Bein. Bindegewebe ist auch ein Stützgewebe, das unserem Körper eine gewisse Stabilität und Statik verleiht.

Weil Faszien so vielfältig im Körper auftreten und viele Funktionen ausfüllen, gibt es auch sehr unterschiedliche Beschwerden, wenn die Faszien an einigen Stellen nicht mehr voll funktionstüchtig sind. Beschwerden, die mitunter nicht einfach zu erklären sind.

Dass die Beschwerden und Symptome wirklich so vielfältig sind, dass das häufig nicht mit Faszien in Verbindung bringt. Das sind in vielen Fällen Schmerzen am Bewegungsapparat, den Gelenken. Und in vielen Fällen auch weiter fortgetragene Schmerzen, also an ganz anderen Stellen als die faszialen Veränderungen. Und die Schmerzen tauchen manchmal ganz wo anders, an schwächeren Strukturen wie der Halswirbelsäule, auf.

Im Laufe der Zeit entstehen Verhärtungen und Verdickungen. Häufig durch Überbelastung oder durch Fehlhaltungen, etwa beim Sitzen. Faszien können sich verkürzen und sogar einreißen. Diese Erkenntnis ist noch gar nicht so alt. Bis zirka 2007 standen Muskeln und Knochen im Blickpunkt der Mediziner. So waren in vielen Anatomiebüchern Faszien gar nicht eingezeichnet, damit der Blick auf die Muskulatur frei wird:

Da die Faszie an vielen Stellen und Strukturen auftritt, in verschiedenen Schichten, ist sie häufig nicht so greifbar, weil sie Teil der Organe, Teil der Muskeln ist, wurde sie bisher nicht so getrennt wahrgenommen. Sondern quasi als Teil dieser Struktur. Und jetzt richtet sich der Blick nicht mehr nur auf den „Muskel-Menschen“, sondern eher auf den „Faszien-Menschen“.

Das Gute daran ist: Diese Beschwerden lassen sich relativ gut behandeln, zumindest reduzieren. Der Osteopath Stefan Kosik erklärt wie das geht. Das Prinzip lautet: Vorsichtig auf die betroffene Stelle Druck ausüben.

Über Druck. Die Faszie lässt sich relativ gut über gleichmäßigen Druck behandeln. Das Gewebe der Faszie reagiert etwas anders als das Gewebe unserer Skelettmuskulatur. Von daher kann man davon sprechen, dass wir mit einem lang anhaltenden Druck behandeln und unter dem Druck eine Entspannung des Gewebes erwarten.

Im ersten Moment ist dieser Druck unangenehm oder erzeugt sogar Schmerzen. Doch schon nach wenigen Sekunden entsteht ein Gefühl der Entspannung und der Schmerz ist weg. Ein Vorgehen, das wirklich funktioniert. Die Behandlung in einer Praxis beim Physiotherapeuten oder Osteopathen ist die eine Möglichkeit. Zusätzlich kann zuhause selbständig mit dem sogenannten Pilates-Roller gearbeitet werden. Eine Schaumstoffrolle, mit der unterstützende Übungen ausgeführt werden können.

Tipp des Monats

Faszien sind hauchdünn und elastisch. In jungen Jahren sind sie noch beweglich wie eine Damenstrumpfhose. Aber im Laufe des Alters nimmt diese Dehnbarkeit und Festigkeit ab. Doch es gibt hilfreiche Übungen für zu Hause, um die Faszien geschmeidig zu halten oder sie wieder besser in Form zu bringen. Dabei hat der „Pilates-Roller“ eine wichtige Aufgabe:

Schaut man im Internet unter „Pilates-Roller“, dann taucht eine Vielzahl von Geräten in unterschiedlichen Farben, Größen und Härtegraden auf. Doch eines ist allen gleich: Die Form einer Rolle. Ihre Funktion: Druck ausüben. Druck auf betroffene Stellen des Körpers. Stefan Kosik ist Osteopath bei der Rehabilitationsklinik Ortho- Mobile in Hattingen. Aus seiner Sicht sind die Rollen eine gute Ergänzung zur Behandlung in Praxis oder Klinik:

Die Faszie hat glatte Muskelzellen, die reagieren anders als unsere Skelettmuskulatur mit den quergestreiften Zellen. Diese glatte Muskulatur reagiert über einen längeren Druck. Und den bekommt man durch diese Rolle. Man legt den Körper mit dem schmerzhaften Bereich auf die Rolle. Möglichkeit eins: man rollt im Zeitlupentempo über die Rolle. Möglichkeit zwei: Man hält an schmerzhaften Stellen für einige Zeit an. Und wartet, dass das Gewebe sich entspannt.

Das Prinzip: Faszien reagieren auf Druck mit Entspannung. Da die Pilates-Roller nur wenig Platz wegnehmen und leicht zu transportieren sind, können sie an vielen Orten eingesetzt werden: Diese Rollen sind wirklich dazu gedacht, in den Alltag integriert zu werden. Zuhause zur Behandlung eingesetzt zu werden. Oder, falls möglich, auch im Büro oder sonst wo am Arbeitsplatz. Dann gibt es die Möglichkeit, man trainiert mit einer längeren Behandlungsdauer, zum Beispiel zehn, zwanzig Minuten. Oder auch kurzfristig im Büro, dass man sich zwischendurch vielleicht mal dreißig Sekunden oder eine Minute über diese Rolle legt.

Es gibt viele verschiedene Modelle von Pilates-Rollen. Angeboten von unterschiedlichen Firmen. Da ist es gar nicht so leicht, die passende zu finden. Sinnvoll ist es, auf die individuellen Bedürfnisse zu achten. Der Osteopath hat einen Tipp, worauf beim Kauf zu achten ist:

Wir empfehlen zu Beginn eine Rolle mit einem mittleren Härtegrad. Es gibt deutliche härtere Rolle, die aber für den Anwender den Einstieg erschwert, weil dann doch der Schmerz sehr groß ist und die Leute eher Berührungsängste haben. Und dann den Behandlungsschmerz scheuen. Zu weich sollte die Rolle auch nicht sein, sonst sinken wir zu stark ein und die Wirkung ist nicht da. Im Laufe der Zeit wird man vielleicht abgehärteter werden und dann auf eine härtere Rolle zurückgreifen. Das Faszien-Training mit einer Rolle ist eigentlich ganz einfach. Es erfordert nur ein wenig Übung und Geschicklichkeit.

Sie haben eben Stefan Kosik gehört, der die Funktion der Faszien und einige Trainingsmöglichkeiten beschrieben hat. Er hat auch ein Buch dazu geschrieben. Der Titel lautet „Osteopathische Übungen mit dem Pilates-Roller: Ein Trainingsprogramm für zu Hause und das Büro“ – darin finden Sie nützliche Tipps für den Hausgebrauch.

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