Podcast September 2016 - ADHS

ADHS – vier Buchstaben, hinter denen eine Krankheit steht, die scheinbar immer mehr Kinder betrifft: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Viele Eltern kommen mit dieser Störung in Kontakt, wenn ihr Kind in den Kindergarten geht oder spätestens, wenn es zu Schule kommt. Da in Deutschland bei fast 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen ADHS diagnostiziert wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass in der Klasse oder im Jahrgang ein oder mehrere Betroffene dabei sind.

Podcast September 2016 - ADHS

Wie entsteht diese Krankheit? Wird sie vielleicht viel zu oft festgestellt, ist sie irgendwie modern? Und was kann hilft gegen ADHS? Wir haben die Antworten.

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Das Thema

Der achtjährige Tom könnte ein typischer Fall sein. In seiner Klasse ist er eher ein Außenseiter, hat immer mal wieder Streit mit anderen Schülern und merkt, dass ihm die Schule schwer fällt, dass andere besser zurechtkommen. Die Lehrer sind unzufrieden, weil Tom oft stört, unkonzentriert ist. Und zuhause, bei den Hausarbeiten gibt es häufiger Tränen, auch die Eltern sind gestresst, weil sie nicht wissen, wie sie ihn motivieren können. So könnte ein typisches Beispiel für ADHS aussehen:

ADHS – eine Krankheit, über die viel gesprochen wird. Denn oft erschwert sie die Schulzeit für Kinder und Eltern und lässt sie nahezu verzweifeln. Was sich hinter ADHS verbirgt, erklärt Prof. Marcel Romanos von der Uni Würzburg, er ist außerdem im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie:

Eine Entwicklungsstörung, die im Kinder- und Jugendalter beginnt. Es ist etwas, das sehr früh beginnt im Vorschulalter bereits. Und es ist charakterisiert, dadurch, dass die Kinder unaufmerksam sind. Sie haben Schwierigkeiten, die Konzentration aufrecht zu erhalten und sie sind leicht ablenkbar. Dieses zentrale Symptom ist begleitet durch weitere Symptome. Das was man am deutlichsten sieht, ist die Hyperaktivität, die motorische Unruhe verbunden mit einer erhöhten Impulsivität.

Viele Faktoren kommen zusammen, um den Ausbruch der Krankheit herbeizuführen. Entscheidend ist eine erbliche Veranlagung. Hinzu kommen Umweltfaktoren, wie etwa zu viel Alkohol oder Nikotin während der Schwangerschaft:

Was nicht ADHS verursacht, darüber müsste man fast noch mehr sprechen, sind eine ganze Reihe von Faktoren, die immer wieder in den Medien verantwortlich gemacht werden. Beispielsweise Fernsehen, Nahrungsmittel oder schlechte Erziehung. Das sind Faktoren, die können den Verlauf beeinflussen, aber sie beeinflussen nicht grundsätzlich, ob ein Kind ADHS hat oder nicht.

Erstaunlich hoch ist der Anteil betroffener Kinder und Jugendlicher. Wir wissen, dass international in epidemologischen Studien etwa 5,3 Prozent der Kinder von ADHS betroffen sind. Das bedeutet, dass auch in Deutschland eine große Zahl von Kindern das Problem hat. Diagnostiziert werden nicht alle. Wir wissen, dass die Diagnoserate in Deutschland zwischen vier und 4,5 % liegt.

ADHS wird übrigens häufiger bei Jungs festgestellt, also von Ärzten diagnostiziert. Obwohl Mädchen theoretisch eben so oft betroffen sind. Scheinbar wirken sich die Folgen bei Jungs für die Umwelt störender aus.

Schlimm ist, dass ADHS weitere Folgen nach sich zieht, noch einmal Prof. Romanos: Wir wissen, dass die meisten Kinder mit ADHS weitere Probleme haben. Sprachentwicklungsstörungen, Leistungsstörungen, es sind hohe Raten von Angsterkrankungen, Depressionen und Sozialverhaltensstörungen. Es ist ganz wesentlich, dass auch bei sehr jungen Kindern geprüft wird, liegt eine weitere psychische Problematik vor, hier ist der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie anzusprechen.

Erfreulich ist, dass ADHS relativ gut behandelt werden kann. Zum einen mit Hilfe einer Verhaltenstherapie, an der die ganze Familie teilnehmen muss. Und zum anderen mit Medikamenten. Dabei gilt, dass die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie sich vor allem auf die Rahmenbedingungen bezieht. Wir können mit Verhaltenstherapie das Familienklima verbessern, wir können das Erziehungsverhalten verbessern. Es hat aber relativ wenig Einfluss auf die Kernsymptome. Dagegen können wir mit einer Medikation sehr gut die Kernsymptome in den Griff bekommen. Damit haben wir aber noch lange nicht alle Probleme der Familien in den Griff bekommen.

Es kommt also meistens auf ein Zusammenspiel beider Therapieformen an. ADHS ist übrigens auch bei Erwachsenen anzutreffen. Schätzungen gehen von zirka zwei Millionen Betroffenen aus.

Meist bleibt die Krankheit unerkannt, oft werden dann nur die Folgen wie ständige Stimmungsschwankungen oder starke Reizbarkeit behandelt.

Tipp des Monats

Rund fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland können unter der Störung ADHS leiden. Das bedeutet für die betroffenen Familien oft jede Menge Aufwand und Stress. Die Krankheit muss erst einmal erkannt werden, eine passende Therapie muss gefunden und oft über einen langen Zeitraum durchgeführt werden. Hier ein paar Tipps für Betroffene:

Ist mein Kind ernsthaft krank oder einfach nur etwas unruhig und kann schlecht stillsitzen? Früher wäre es vielleicht einfach ein „Zappelphilipp“ gewesen. Wie können Eltern das unterscheiden? Dazu Prof. Marcel Romanos von der Uni Würzburg und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie:

Die ersten Probleme treten tatsächlich häufig im Kindergarten auf. Da berichten dann die Kindergärtnerinnen, das Kind hat Schwierigkeiten im Stuhlkreis zu sitzen oder es führt Spiele nicht zu Ende. Oder es gerät schnell in Zorn oder in Konflikte. Das sind oft die ersten Anzeichen, die darauf hindeuten können. Vor dem sechsten Lebensjahr sollte die Diagnose zurückhaltend gestellt werden, weil wir wissen, dass die Bandbreite der Entwicklung da noch sehr groß ist.

Ist die Krankheit dann diagnostiziert, kommt in den meisten Fällen eine Verhaltenstherapie zum Zuge:

Was wir machen ist dann Verhaltenstherapie. Wir erarbeiten mit der Familie einen Plan, wir versuchen Familienregeln aufzustellen, wir bringen den Eltern beim, wie schaff ich es, Regeln durchzusetzen. Das Kind hat oft das Gefühl ganz allein gelassen zu sein. Es ist wichtig zu zeigen, dass Kind ist nicht an allem schuld. Es ist nicht der Täter, sondern es erfordert die Mitarbeit der ganzen Familie.

Oft ist auch der Einsatz von Medikamenten angesagt:

Aber, wenn die Konzentrationsstörung ausgeprägt und durchgängig ist, dann empfehlen wir auch eine medikamentöse Behandlung. Wir sehen, dass damit sehr effektiv und nebenwirkungsarm bei den allermeisten Kindern sehr rasch eine deutliche Verbesserung der Symptomatik herbeigeführt werden kann.

In den meisten Fällen hat die Therapie Erfolg. Die Kinder kommen besser in der Schule klar und sind auch Zuhause zufriedener. Wie bei vielen Krankheiten, gilt auch hier: je eher geholfen wird, desto besser ist es. Noch einmal Prof. Romanos:

Was wir sagen können ist, dass die Kinder, die mit dieser Problematik auf die Welt kommen und solche Schwierigkeiten haben, dass es absolut sinnvoll ist frühzeitig, im Schulalter, teilweise bei schweren Fällen schon im Vorschulalter, bereits therapeutisch zu intervenieren, um zu verhindern, dass die Problematik Folgeprobleme nach sich zieht.

Also, als erstes bei einem Verdacht einfach mal den Kinderarzt fragen. Eventuell schickt er Sie dann zu einem Spezialisten.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite des ADHS-Netzwerks, zu dem auch die Uni Würzburg mit Prof. Romanos gehört. Die Adresse lautet: www.esca-life.org

Sieht so aus, als war es das mit dem Sommer. Aber auch der Herbst kann eine wundervolle Jahreszeit sein. Keine Hitze, sondern zarte Wärme, Wanderungen und Spaziergänge sind jetzt doppelt angenehm. Deswegen ist der Herbst eine wunderbare Zeit, sich mal wieder mehr Bewegung zu verordnen. Raus in die Natur. Ob mit oder ohne Nordic Walking Sticks. Egal, Hauptsache bewegen. Das hält gesund und das sollen Sie schließlich bleiben. Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund. Tschüss.

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