Übergewicht und Diabetes durch Zuckerkonsum bei Kindern

Letzte Aktualisierung: 07. Juli 2026Lesezeit: 6 Minuten
Zucker ist bereits für viele Kleinkinder aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Süße Getränke, Snacks und versteckter Zucker in Lebensmitteln gehören daher bei vielen Familien dazu. Doch Studien zeigen deutlich, dass ein hoher Zuckerkonsum im Kindesalter weitreichende Folgen haben kann. Gerade mit Blick auf chronische Erkrankungen wie Übergewicht, Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck ist es wichtig, früh gegenzusteuern. Wir erklären euch, ab wann und warum Zucker für Kinder besonders kritisch ist, welche langfristigen Risiken bestehen und wie ihr aktiv vorbeugen könnt.
Kind isst Donuts

Warum Zucker für Kinder besonders problematisch ist

Kinder befinden sich in einer entscheidenden Entwicklungsphase. Der Stoffwechsel, das Essverhalten und sogar das Risiko für spätere Erkrankungen werden früh geprägt. Besonders wichtig sind dabei laut Studie die ersten 1.000 Tage eines Kindes, also die Zeit von der Schwangerschaft bis zum zweiten Lebensjahr.

Ist der Zuckerkonsum in dieser frühen Phase gering, sinkt das Risiko für chronische Erkrankungen im späteren Leben deutlich. So kann das Risiko für Typ-2-Diabetes um etwa 35 Prozent, für Adipositas um rund 30 Prozent und für Bluthochdruck um etwa 20 Prozent gesenkt werden.*

Das bedeutet konkret: Schon früh entscheidet sich, wie anfällig ein Mensch später für diese Krankheiten ist.

Zuckerkonsum und chronische Erkrankungen bei Kindern

Ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum wirkt sich auf mehrere Ebenen negativ aus. 

Besonders betroffen sind folgende Krankheitsbilder:

Vater und Sohn spielen Gitarre

Geht zur Kinder- und Jugendvorsorge

Regelmäßige Kindervorsorgeunteruschungen (auch U-Untersuchungen genannt) tragen dazu bei, Krankheiten und Entwicklungsstörungen möglichst frühzeitig zu erkennen und die Gesundheit eurer Kinder zu schützen. Die U10 und die U11 zählen als Leistungsplus fest zum Früherkennungsprogramm der BIG und die J1 und J2 sorgen dafür, dass Jugendliche bestens versorgt sind.

 


 

Alle Kinder- und Jugendvorsorgeuntersuchungen im Überblick

Übergewicht und Adipositas bei Kindern

Zuckerreiche Lebensmittel liefern viele Kalorien, aber kaum Nährstoffe. Kinder nehmen dadurch schnell mehr Energie auf, als sie verbrauchen. In Deutschland sind bereits über 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, etwa 6 Prozent leiden an Adipositas*. Diese Entwicklung erhöht das Risiko für weitere Erkrankungen erheblich.

Typ-2-Diabetes bei Kindern

Früher galt Typ-2-Diabetes als typische Erwachsenen- bzw- Alterskrankheit. Heute tritt er zunehmend auch bei Kindern und Jugendlichen auf. Besonders stark gefährdet sind Kinder mit Übergewicht und hohem Zuckerkonsum. Die Weltgesundheitsorganisation sieht vor allem zuckerhaltige Getränke als einen der Haupttreiber für Übergewicht und Diabetes*. 

Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein übermäßiger Zuckerkonsum kann langfristig auch zu Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen führen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis ins Erwachsenenalter erhöhen. Diese entwickeln sich oft schleichend und bleiben lange unbemerkt.

Was passiert in den ersten 1.000 Lebenstagen?

Die Forschung zeigt klar: Die Ernährung in den ersten Lebensjahren hat eine Art „Programmierfunktion“ für den Körper.

In dieser Phase werden:

  • Geschmacksvorlieben geprägt
  • Stoffwechselprozesse beeinflusst
  • Risiken für chronische Erkrankungen festgelegt

Ein hoher Zuckerkonsum kann dazu führen, dass sich bereits Kleinkinder dauerhaft an süße Lebensmittel gewöhnen, übergewichtig werden, sich schwerer für gesunde Lebensmittel entscheiden und schlussendlich chronisch erkranken.

Übrigens: Bereits während der Schwangerschaft spielt die Ernährung eine große Rolle. Ein zu hoher Zuckerkonsum der Mutter kann das Risiko für spätere Erkrankungen des Kindes zusätzlich erhöhen. 

Vorsicht vor verstecktem Zucker

Viele Eltern achten auf Süßigkeiten, übersehen jedoch oft versteckten Zucker. 

Dieser steckt häufig in:

  • Fruchtjoghurts
  • Cornflakes und Müsli
  • herzhaften Fertigprodukten (speziell in Produkten, die für Kinder produziert werden wie z. B. Tomatensoße) und süßen Snacks (z. B. Quetschies, Fruchtschnitten usw.)
  • Getränken wir Saft und Limonade

So vermeidet und reduziert ihr Zuckerkonsum bei Kindern

Auch wenn natürlich Politik, Lebensmittelindustrie, Gesundheitssystem und Bildungseinrichtungen ebenfalls in der Verantwortung stehen, Kinder und Jugendliche vor ungesunden Lebensmitteln zu schützen, stehen genauso wir Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigte in der Pflicht.

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    Zuckerkonsum bei Babys vermeiden und im Kleinkindalter begrenzen

    Besonders in den ersten Lebensjahren solltet ihr zuckerhaltige Nahrungsmittel möglichst vermeiden. Da ist es natürlich auch am einfachsten. Ist euer Kind kein Baby mehr, ist Zucker in Maßen okay. Einigt euch zum Beispiel auf eine kleine Süßigkeit pro Tag. Auch auf Kindergeburtstagen, an Feiertagen, bei Ausflügen, im Urlaub und so weiter darf Zucker dazugehören. Nicht nur, damit eure Kinder nicht ausgeschlossen werden, sondern um ihnen Schritt für Schritt einen maßvollen Umgang mit Zucker beizubringen, statt ihn komplett zu verbieten.
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    Wasser als Standardgetränk etablieren

    Wasser und ungesüßte Tees sollten die erste Wahl sein. Süße Getränke sollten Ausnahmen bleiben. Gerade weil Kinder einen sehr viel geringeren Energieverbrauch haben als Erwachsene.
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    Etiketten bewusst lesen

    Zucker versteckt sich hinter vielen Namen wie Glukose, Fruktose oder Maltodextrin. Doch auch vermeintlich gesündere Alternativen wie Honig, Agavendicksaft oder Ahornsirup sind letztlich Zuckerquellen und wirken im Körper ähnlich. Viele dieser Produkte werden als gesünder wahrgenommen, enthalten aber ebenfalls große Mengen an Einfach- und Zweifachzuckern. Für den Stoffwechsel macht es kaum einen Unterschied, ob der Zucker aus Haushaltszucker oder aus Sirupen stammt. Ein genauer Blick auf die Zutatenliste hilft euch, solche Zuckerquellen zu erkennen und den Konsum insgesamt im Blick zu behalten.
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    Vorbild sein und „richtig" belohnen

    Kinder orientieren sich stark am Verhalten der Eltern. Eine ausgewogene Ernährung im Familienalltag wirkt oft stärker als jede Regel. Dazu gehören auch mal gesüßte Nahrungsmittel. Verbietet ihr Süßigkeiten komplett, werden sie erst so richtig interessant. Leider können aus solch einer „Verteufelung" Heißhunger und Kontrollverlust – „Forbidden-Fruit-Effekt" – oder sogar eine Essstörung entstehen. Auch solltet ihr Kinder nicht mit Süßigkeiten belohnen, sondern ihnen stattdessen ehrliche und präzise Komplimente machen.
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    Obst, Säfte und Quetschies

    Auch Obst enthält Fruchtzucker, ist aber durch Ballaststoffe und Nährstoffe deutlich günstiger für den Körper. Diese sorgen dafür, dass der Zucker langsamer aufgenommen wird. Bei Säften und Quetschies fehlen diese Effekte oft. Sie enthalten viel Zucker in konzentrierter Form und sättigen kaum.

    Für den Alltag gilt: Frisches Obst ist eine gute Wahl, Säfte und Quetschies sollten eher Ausnahmen bleiben.
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    Nahrhafte Snacks

    Frisches Obst oder selbst zubereitete Snacks sind eine gute Alternative zu stark verarbeiteten Produkten. Sie liefern neben Energie auch wichtige Nährstoffe und sättigen besser.

    Vorsicht ist auch bei herzhaften Snacks wie Weißbrot oder Reiswaffeln geboten. Weißmehlprodukte lassen den Blutzucker schnell ansteigen und liefern kaum Ballaststoffe. Reiswaffeln enthalten oft schnell verfügbare Kohlenhydrate und können zudem mit Schadstoffen wie Arsen belastet sein.
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    Kommuniziert mit euren Kindern

    Statt eurem Kind die zweite Limo oder die nächste Weingummiportion einfach nur zu verbieten, erklärt ihm kindgerecht, warum es gerade zu viel ist. Beispielweise weil in der Limonade 8 bis 10 Stücke Würfelzucker sind. Bietet gesündere Alternativen wie eine Saftschorle (mit purem Fruchtsaft statt mit Zuckerzusatz) an. Auch könnt ihr altersgerecht erklären, wie sich zu viel Zucker auf Gehirn und Körper beziehungsweise unsere Gesundheit auswirkt.
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