Sport mit Einschränkung

Letzte Aktualisierung: 27. Februar 2026Lesezeit: 5 Minuten
Über die positiven Effekte von Bewegung und Sport wird viel geschrieben – auch von uns. Dass ein gesunder Lebensstil nachweislich gesundheitsfördernde Effekte besitzt und Krankheiten vorbeugt, steht fest. Was aber tun, wenn man eine chronische Krankheit hat? Helfen Bewegung und Sport auch dann? Welcher Sport darf noch gemacht werden?
Zwei Menschen joggen in der freien Natur und haben eine nicht-sichtbare Einschränkung

Inhalt

Sport tut fast jedem Körper gut

Durch die Einschränkungen einer schweren Krankheit werden die Signale des Körpers anders wahrgenommen, man wird vorsichtiger und will den Körper nicht zusätzlich belasten. Aber auch bei einer Erkrankung kann regelmäßige Bewegung gesundheitsfördernde Effekte erzielen: Herz und Lunge sind leistungsfähiger, der Stoffwechsel ist aktiver, Muskeln und Knochen werden kräftiger und die Gelenke bleiben beweglich. In der Summe macht das jeden Körper belastbarer.

Herz: Sicher in Bewegung bleiben

80 Prozent aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind auf unseren modernen Lebensstil von zu viel Stress, schlechter Ernährung, Übergewicht und zu wenig Bewegung zurückzuführen. Nach einer Herzerkrankung gehen viele Erkrankte Belastungen gezielt aus dem Weg. 

Eine Erkrankung sollte aber nicht von körperlicher Aktivität abhalten – im Gegenteil: 

Wer aktiv bleibt, verbessert seine Kondition, trainiert das Herz, senkt langfristig den Blutdruck und steigert die Belastbarkeit. Nach einem Herzinfarkt oder bei Bluthochdruck ist jedoch nicht jede Sportart geeignet. 

Von Sportarten mit starken Belastungsspitzen wie Badminton, Tennis oder Fußball ist abzuraten. Empfehlenswert sind moderate Ausdauersportarten wie zügiges Gehen, Radfahren, Wandern oder Schwimmen an drei oder mehr Tagen pro Woche. Bereits 30 Minuten pro Einheit können ausreichen. 

Entscheidend ist, die eigene Belastungsgrenze zu kennen. Bewegung soll das Herz stärken, nicht überfordern. Vor Beginn eines Trainingsprogramms ist daher eine ärztliche Abklärung dringend zu empfehlen. Dabei kann auch die individuelle Pulsgrenze bestimmt werden, die beim Training nicht überschritten werden sollte. 

Langsam an die eigene Grenze bei Asthma

Auch Menschen mit Asthma können und dürfen sportlich aktiv sein. Studien deuten darauf hin, dass regelmäßige Bewegung die körperliche Belastbarkeit verbessern und Asthmabeschwerden langfristig verringern kann. Insbesondere moderates, gut dosiertes Training – etwa in Form von Intervalltraining – kann helfen, einem belastungsinduzierten Asthma vorzubeugen. Voraussetzung ist jedoch ein sicherer Umgang mit der Erkrankung. Dazu gehört, Auslöser und Warnsignale zu kennen sowie Medikamente korrekt anzuwenden. Diese sollten beim Sport stets griffbereit sein. Ebenso wichtig ist es, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen: Kündigt sich ein Asthmaanfall an, sollten Betroffene das Training unterbrechen oder die Intensität deutlich reduzieren.

Krebs: Ein Umdenken findet statt

Hieß es früher Schonung, wird bei der Behandlung von Krebserkrankungen heute auf Bewegungstherapien gesetzt. Die positiven Effekte von Sport zeigen sich vor allem bei Chemo- und Strahlentherapien. Sport mildert die auftauchenden Erschöpfungssymptomatiken der beiden Therapien ab. Bei Brustkrebspatientinnen kann Sport nachweislich dazu beitragen, die Knochensubstanz zu erhalten und einer erneuten Erkrankung vorzubeugen.

Sport bei Diabetes: Bewegung als wichtige Ergänzung

Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 können und sollten in der Regel körperlich aktiv sein, denn Bewegung wirkt sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus, verbessert die Insulinempfindlichkeit und kann langfristig das Risiko von Folgeerkrankungen senken. 

Bei Diabetes ist jedoch der richtige Umgang mit dem Blutzuckerspiegel vor, während und nach dem Sport entscheidend: Belastung kann den Blutzucker senken, in manchen Situationen aber auch erhöhen. Deshalb ist es wichtig, den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren, eine passende Ernährung sowie gegebenenfalls Medikamente oder Insulin entsprechend anzupassen und Unterzuckerungen zu vermeiden. 

Konsultationen mit dem behandelnden Arzt oder Diabetes-Team helfen dabei, einen individuellen Bewegungsplan zu erstellen. Besonders sinnvoll sind regelmäßige, moderate Aktivitäten wie zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder sanftes Krafttraining. Wer mit Sport beginnt, sollte klein starten und die Intensität langsam steigern, um die Wirkung auf den Blutzucker zu beobachten und sicher zu steuern.

Depression: Bewegung als mögliche Ergänzung

Bewegung kann sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken, unter anderem weil dabei sogenannte Glückshormone wie Endorphine ausgeschüttet werden. Depressionen lassen sich dadurch jedoch nicht mal eben „wegtrainieren“. Besonders bei schweren depressiven Episoden fehlt vielen Betroffenen zunächst die körperliche und psychische Energie für Sport oder regelmäßige Bewegung.

Zentrale Grundlage der Behandlung sind daher professionelle therapeutische Angebote, etwa Psychotherapie und – je nach Schweregrad – medikamentöse Unterstützung. Die BIG unterstützt euch mit verschiedenen Therapieangeboten für eure seelische Gesundheit. Erst wenn Stabilität vorhanden ist, kann Bewegung begleitend und individuell angepasst helfen, Symptome zu lindern.

Gleichzeitig kann regelmäßige, moderate Bewegung präventiv wirken, insbesondere bei leichten depressiven Verstimmungen, wie sie etwa im Rahmen eines Winterblues oder bei Frühjahrsmüdigkeit auftreten. Auch hier gilt: Bewegung sollte niedrigschwellig sein und weder zu Leistungsdruck noch zu einer extremen Überanstrengung führen.

Übrigens: Auch Musik und Tanzen haben Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Sport lohnt sich

Die Beispiele zeigen: Bewegung und Sport haben auch im Krankheitsfall eine positive Wirkung auf den Körper und können Schmerzen oder eine Verschlimmerung der Krankheitssymptome verhindern. Die Beispiele zeigen aber auch, dass ein moderates Herantasten an die eigenen Grenzen Voraussetzung für die positiven Effekte ist. Eine fachliche Beratung durch Ärzte, Physio- oder Ergotherapeuten ist in jedem Fall wichtig. Im Anschluss finden Sie noch ein paar Bewegungstipps bei bestimmten Erkankungen:

Wenn Sport schadet – ME/CFS und körperliche Belastung

Sportliche Aktivität gilt also meist als gesund, trifft aber trotzdem nicht auf jeden Körper zu. Menschen mit der chronischen Erkrankung Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) dürfen in der Regel keinen Sport ausüben, da körperliche oder geistige Anstrengung bei ihnen zwangsläufig zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führt. Auch sogenannte Aktivierungstherapien/-programme (GET) zählen dazu. Physio- und Ergotherapie sind nur sehr begrenzt möglich und müssen an die individuelle Belastungsgrenze angepasst werden. Bei Schwer- und Schwerstbetroffenen sind selbst diese Therapien meist zu anstrengend.

Ursächlich dafür ist die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM) – das zentrale Diagnosekriterium von ME/CFS. Viele Fachleute und Betroffene verwenden zunehmend den Begriff Post-Exertional Neuroimmune Exhaustion (PENE), da dieser die Schwere und systemische Natur der Belastungsreaktion treffender beschreibt als der Begriff „Malaise“. 

Die Zustandsverschlechterung kann zeitverzögert auftreten, lange anhalten und in manchen Fällen zu einer dauerhaften, nicht reversiblen Verschlechterung des Krankheitszustands führen. Klassische Trainings- oder Sportprogramme sind bei ME/CFS daher nicht geeignet. Stattdessen stehen striktes Energiemanagement (Pacing) und alltagsnahe Konzepte wie die Löffel-Theorie im Vordergrund.

Behandlung chronischer Erkrankungen: Disease Management Programme (DMP)
Mit einer chronischen Krankheit kann es anstrengend sein, im Alltag an alles Wichtige zu denken. Die BIG unterstützt euch deshalb mit Disease Management Programmen (DMP), die aus Schulungen, einer effiziente Versorgung und einer Prämie bestehen, um eure Gesundheit gemeinsam mit euren behandelnden Ärzt*innen im Blick zu haben.

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Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.