Braunes Fettgewebe: Der natürliche Stoffwechselbooster

Letzte Aktualisierung: 09. Oktober 2026Lesezeit: 5 Minuten
Dank der Forschung rückt braunes Fettgewebe immer stärker in den Fokus, da es sich von den klassischen Fettreserven beziehungsweise dem weißen Körperfett unterscheidet. Fett dient nämlich nicht nur als Energiespeicher, sondern erfüllt verschiedene Funktionen. Wir verraten euch, was braunes Fettgewebe so besonders macht und warum Kälte dabei eine wichtige Rolle spielt.
Lächelnde Senior-Frau geht in einem See Eisbaden, um braunes Fettgewebe zu fördern

Was ist braunes Fettgewebe?

Braunes Fettgewebe Braunes Fettgewebe – auch BAT (brown adipose tissue) genannt – wurde erst 2009 entdeckt und ist eine spezielle Art von Körperfett, das das Gegenteil von dem bewirkt, was wir von weißem Fett kennen. Seine wichtigste Aufgabe und sein Vorteil ist die Wärmeproduktion. Möglich wird das durch die zahlreichen Mitochondrien in den Fettzellen, die auch als „Kraftwerke der Zelle“ bezeichnet werden. Da Mitochondrien viel Eisen enthalten, ist das Fett braun bis beige. Im braunen Fettgewebe enthalten sie zusätzlich das Protein UCP1 (Uncoupling Protein 1). Dadurch wird ein Teil der Energie aus Fettsäuren und Glukose nicht gespeichert, sondern direkt als Wärme freigesetzt. Fangen wir an zu frieren beziehungsweise bewegen wir uns in einem kalten Umfeld, nutzt das braune Fettgewebe dafür die Fettreserven (weißes Fett) und Glukose als Brennstoff (auch Thermogenese genannt) und hilft dem Körper, seine Körpertemperatur auch bei Kälte aufrechtzuerhalten. 

Bei Babys ist es übrigens besonders aktiv, da sie ihre Körpertemperatur noch nicht durch Muskelaktivität (Zittern) regulieren können. Erwachsene haben braunes Fett vor allem im Nacken, Schlüsselbein, in der Wirbelsäule und im oberen Brustkorb.

Wie unterscheidet sich braunes von weißem Fettgewebe?

Das klassische weiße Fettgewebe ist uns natürlich bekannt und seine Aufgabe ist es, Energie zu speichern und unsere Organe durch ein Polster zu schützen. Das Gemeine: Nimmt der Körper mehr Energie auf, als er benötigt, bilden sich Fettreserven (und irgendwann Übergewicht). Außerdem kann vermehrtes weißes Fettgewebe, wie es beispielsweise bei Adipositas vorkommt, bestimmte Botenstoffe freisetzen, die Entzündungsprozesse im Körper fördern und den Stoffwechsel ungünstig beeinflussen können.

Was ist beiges Fett?

Neben weißem und braunem Fettgewebe gibt es außerdem beiges Fett. Dieses entsteht aus ursprünglich weißen Fettzellen, die unter bestimmten Bedingungen (vor allem Kälte) ähnliche Eigenschaften wie braune Fettzellen entwickeln können und sich dadurch beige verfärben. 

Was sind die Vorteile von braunem Fettgewebe?

Erzeugt Wärme: Eine der wichtigsten Aufgaben von BAT ist die Wärmeerzeugung, um unseren Körper, bei niedrigen Temperaturen warm zu halten beziehungsweise die Körpertemperatur ausreichend hoch zu halten.

Beugt Übergewicht/Adipositas vor: Indem BAT Energie verbraucht, erhöht es den Energieumsatz des Körpers. Dadurch unterstützt es den Stoffwechsel und kann dazu beitragen, Übergewicht und Adipositas entgegenzuwirken.

Beugt Typ-2-Diabetes vor: Aktives braunes Fett kann Glukose aus dem Blut aufnehmen und nutzen. Dadurch beeinflusst es den Zuckerstoffwechsel positiv und trägt dazu bei, Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes vorzubeugen.

Beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor: Es beeinflusst den Fettstoffwechsel und wirkt sich positiv auf bestimmte Blutwerte wie Cholesterin aus und kann dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.

Wichtig ist jedoch: Braunes Fettgewebe kann den Energieverbrauch des Körpers erhöhen und den Stoffwechsel unterstützen. Wie stark dieser Effekt ist, hängt jedoch immer vom gesamten Stoffwechsel ab. Die Wirkung des braunen Fettgewebes entsteht also nicht allein, sondern immer im Zusammenspiel mit verschiedenen Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Schlaf und Hormonen.

Wie aktiviert man braunes Fett?

Mögliche Reize, die braunes Fett aktivieren können, sind:

  1. 1

    Kälte

    Regelmäßige kurze Kältereize, beispielsweise durch kalte Duschen oder Eisbaden (etwa 16 –19 °C), können die Aktivität brauner Fettzellen erhöhen.
  2. 2

    Sauna und z. B. anschließendes Eisbaden oder Wechselduschen

    Der Wechsel zwischen Wärme und Kälte kann den Körper ebenfalls dazu anregen.
  3. 3

    Bewegung

    Sport beeinflusst den Stoffwechsel insgesamt und kann möglicherweise auch die Bildung beziehungsweise Aktivität von braunen und beigen Fettzellen fördern.
    Durch diese Sportarten leben wir länger
  4. 4

    Gute Schlafhygiene

    Der Stoffwechsel und die Regulation von Wärmeprozessen hängen auch mit einem regelmäßigen und ausreichenden Schlafrhythmus zusammen.
    Schlafrituale für Erwachsene
  5. 5

    Scharfe Gewürze/Lebensmittel

    Gewürze wie Capsaicin aus Chili oder Cayennepfeffer können den Stoffwechsel und die Wärmeproduktion ankurbeln und braunes beziehungsweise beiges Fett aktivieren.

Sport und Präventionskurse

Ein gesunder Lebensstil hat viele Facetten und aktiviert braunes Fett – angefangen bei Ernährung und Bewegung bis hin zu Stressbewältigung oder Rauchentwöhnung. Die BIG unterstützt euch zum Beispiel bei zwei zertifizierten Präventionskursen im Jahr mit bis zu 120 Euro pro Kurs (max. 240 pro Jahr). Außerdem übernimmt die BIG alle zwei Jahre einen Zuschuss in Höhe von 300 Euro für die sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung.

 

Leistungsübersicht

Warum nimmt braunes Fett im Alter ab?

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammensetzung des Fettgewebes: Die Menge und Aktivität des braunen Fettgewebes nimmt häufig ab, während weißes Fettgewebe zunehmen kann. Warum dieser Rückgang genau entsteht, weiß man bislang nicht. Es wird vermutet, dass mehrere Faktoren zusammenspielen wie Veränderungen im Stoffwechsel, hormonelle Veränderungen, abnehmende Muskelmasse, weniger körperliche Aktivität und eine veränderte Reaktion des Körpers auf Kältereize. Auch genetische Voraussetzungen und der allgemeine Gesundheitszustand können vermutlich beeinflussen, wie viel aktives braunes Fettgewebe ein Mensch im Laufe des Lebens besitzt. Ganz verhindern können wir den altersbedingte Rückgang des ‚guten‘ Fettes wahrscheinlich nicht. Bewegung, regelmäßige Kältereize, eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil können jedoch dazu beitragen, braunes Fett zu aktivieren.

Forschung entdeckt Ausschalter für braunes Fett 

Ein internationales Forschungsteam der Universität Bonn, Süddänemark und des Novo Nordisk Center for Adipocyte Signaling fand 2024 einen molekularen „Ausschalter“ für braunes Fett. Dabei handelt es sich vor allem um ein bestimmtes Signalprotein namens AC3-AT, das die Aktivität brauner Fettzellen bremsen kann.* Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, besser zu verstehen, wie sich braunes Fett noch gezielter aktivieren lässt, um so Fettleibigkeit und damit verbundenen Erkrankungen wie Diabetes vorzubeugen. Lest hier mehr über Übergewicht und Diabetes durch Zuckerkonsum bei Kindern.

Quelle

  1. *Universität Bonn:
    Studie
Person vor dem Einstieg in ein Eiswasserbad
Sisu – eine finnische Art von Resilienz
Sisu bezieht sich auf die innere Einstellung zum Leben. Die Finnen sehen sich selbst als besonders glücklich, beharrlich, widerstandsfähig und selbstwirksam. Aber auch finnische Gewohnheiten lassen sich auf Sisu zurückführen. So ist das beliebte Eisbaden für viele Finnen ein Ritual, mit dem Sisu gelebt wird.
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Verfasst von
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